header image
Home arrow Blog arrow Im Selbstgespräch
Im Selbstgespräch E-Mail

gerti_g._aboutpixel.jpgEs gibt bei uns eine ulkige Erscheinung über die wir heute im Kollektiv heftigst schmunzeln mussten. Ein hektischer Typ, mit grellweißen, großen Schneidezähnen und einem eigenwilligen Stil sein Essen einzunehmen, nämlich hektisch schlingend, auf das Kauen nahezu vergessend. Die Steigerung war ein vermeintliches Selbstgespräch, das sich bei näherer Betrachtung allerdings als Gespräch mit den beiden Damen am Tisch entpuppte, die so taten als wären sie ihrerseits sehr mit sich und ihrem Essen beschäftigt. Die Situation wirkte ignorant und es schien so, als wäre er in ein angeregtes Selbstgespräch verwickelt.

Die Szenerie entpuppte sich immer mehr zu einem Ausschnitt einer Commedia del` arte und wir vergossen Tränen vor Lachen. Hätten wir nicht längst gegessen, wären wir vermutlich an einem Produkt der firmeneigenen Kantine jämmerlich erstickt und man hätte im Anschluß kaum sagen können, ob das Essen oder der Mann gegenüber existenzgefärdender Auslöser der gesundheitlichen Krise war.

Und wir waren uns bis zum Schluss nicht sicher, ob wir in ihm nicht doch einen Meister des Selbstgespräches vor uns hatten, der von der Ferne betrachtet vergnügliche Unterhaltung bot.

Im Selbstgespräch vertieft fehlt vielen die nötige Eigenreflektion um überhaupt zu bemerken wie sehr sie ihr Gegenüber mit ihren Monologen langweilen. Ein Manko, das sich vor allem in Führungspositionen wiederfindet, welcher Untergebene erlaubt sich auch den Monolog seines Führungstieres zu unterbrechen oder einfach aufzustehen um zu gehen. Ich neige eher zur Variante "Unterbrechung" weil ich viel zu verquatscht bin, um länger als maximal zwei Minuten konzentriert zuzuhören. Außer das Thema interessiert mich überhaupt nicht, dann entwickle ich dynamische Eigengedanken und bin ganz weit weg. Peinlich ist es nur, wenn ich wieder im Gespräch lande und Fragen stelle die längst beantwortet wären, wenn ich zugehört hätte. Peinlich ist es auch, wenn ich plötzlich etwas gefragt werde und ich erst in der zweiten Hälfte der Frage den Anschluss an das Gespräch finde. Dann poche ich auf eine latend vorhandene Schlechthörigkeit, die es mir nicht erlaubt hat den Inhalten zu folgen. Und das funktioniert meist ganz gut.

Interessant wäre auch die Variante "Austausch von Gesprächsteilnehmern". Sobald das Gegenüber zu monologisieren, also mit seinem Selbstgespräch beginnt, greife ich in meine Hosentasche, lege das selbstaufblasbare Gummi-Teil auf den Stuhl, auf dem ich gerade noch saß und verlasse raschen Schrittes den Ort des Geschehens. Der Selbstsprecher ist so sehr mit sich beschäftigt, dass er kaum bemerken wird, dass der Gummi-Teil gegenüber in Sekundenschnelle an Größe zunimmt und das Ebenbild meinerselbst einnimmt. Eine geniale Elektronik im Hals-, Nackenbereich wippt den Kopf und besagtes Kopfnicken signalisiert höchste Aufmerksamkeit, die wiederum den Selbstsprecher motivieren wird unvermittelt im Gespräch noch weiter auszuholen. Nach einer Phase von ungefähr 20 Minuten komme ich wieder an den Ort des Selbstgespräches, schiebe mein Gummi-Ego vom Stuhl und nicke weiter um letztendlich meinem Gegenüber doch ins Wort zu fallen. Durch den nicht minder genialen Kippmechanismus im Gummi-Teil, der durch den Aufprall auf den Boden geräuschlos aktiviert wird, zieht sich das Ding wieder auf die ursprüngliche Größe zusammen und lässt sich am Ende des Monologes unbedenklich aufheben und bequem einstecken.