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Manche Vorhaben und Ideen werden so rasch im Keim erstickt, dass sie noch nicht einmal das embryonale Stadium im Kleinhirn passiert haben. Andere werden Tage hochschwanger, meist unausgesprochen durch die Welt getragen, um doch wieder verworfen zu werden und nie werden sie das Licht der Welt erblicken.
Es gibt Vorhaben die voller Begeisterung notiert und von einem einfachen Windstoß entsorgt werden. Würde man alle im Keim erstickten Vorhaben aneinanderreihen, es gäbe eine Kette von der Erde zum Mond, vom Mond zur Venus, von der Venus zum Mars, von diesem zu Pluto, von Pluto zu jedem einzelnen Futzelchen der Milchstraße und wieder retour zur Erde. Mindestens, wenn nicht noch viel weiter.
Ich hege ja den leichten Verdacht, dass besagte Vorhaben nicht für immer verschwinden, sondern nur an einem anderen Ort in einem anderen Kopf wieder auftauchen. Wie sonst kann es sein, dass so viele Menschen von den selben Ideen zur selben Zeit beseelt sind. Das kann nur mit besagten Vorhaben, Ideen oder wie immer man die Umstände nennen möchte, zusammenhängen. Und irgendwer schafft es letztendlich den vom Ersticken bedrohten Keim zu retten, zu umsorgen und zu entwickeln. Hey, das war doch meine Idee werde ich beim Vorübergehen enthemmt schluchtzend denken und mein Gegenüber der bösartigsten Ideenräuberei bezichtigen. Es beginnt ja schon bei diversen Buchtiteln. Wie oft gehe ich mit der besten Idee schwanger, trage sie über Wochen ordnungsgemäß aus um mich irgendwann bei Amazon, Google oder sonst wo darüber zu informieren ob denn jemals zu meinem Thema etwas publiziert wurde. In 99,9 Prozent aller Fälle gibt es dann nicht eines, nicht zwei Elaborate, sondern Dutzende davon. Es ist einfach frustrierend, wie professionell Ideenräuber mein geistiges Eigentum an sich reißen und publizieren. So gesehen lohnt es sich kaum mehr konstruktive Gedanken zu pflegen, sie werden einem ohnehin nur bereits als Baby aus den Armen gerissen und mit neuer Identität vervielfältigt.
Es muss doch einen Weg geben gute Vorhaben verborgen zu halten. Am ehesten, wenn man sie andenkt, den Gedanken so rasch wie möglich verdrängt, einen ganz anderen Gedanken als Täuschmanöver beginnt, ihn ausbaut, präsentiert und ihn klauen lässt. Einstweilen hat man gute Momente um den ursprünglichen Gedanken wieder aufzunehmen und fertig zu spinnen. Um den Gedanken aus dem geistigen Sender zu holen, muss er so rasch wie möglich in ein Heft oder Buch oder in eine Datei notiert werden um ihn anschließend geistig wieder zu verwerfen. Um das Vorhaben oder den Gedanken dann weiter auszubauen, muss das Täuschungsmanöver x-beliebig oft wiederholt werden. Das ist wie Störradar und funktioniert hervorragend, zumindest so lange bis das Gegenüber bemerkt, dass die eine Charge nur Fake ist und die andere die richige Charge ist. Spätestens dann müsste man sich eine neue Strategie einfallen lassen und wenn man die Reihenfolge der Chargen nur immer wieder unterbricht und umkehrt. Geheimnisse gut aufzubewahren ist eben reine Mühsal.
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