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Kommt noch ganz anders E-Mail

photocase_de_comlize_696993242.jpgDa stehe ich viele Jahre in meinem Garten, mal glücklich, mal weniger, mal will ich ihn verkaufen und dann doch wieder nicht. Alles geht seinen gewohnten Gang, Frühling, Sommer, Herbst, Winter. Auswendig könnte ich die Abläufe mit geschlossenen Augen übers Jahr begleiten - ja vorhersagen.

Dann kommen plötzlich neue Nachbarn und nichts ist in meinem Garten wie zuvor. Die heimelige, gewohnte Atmosphäre ist futsch, ich muss zittern, dass sie mir eines Morgens mit den Bulldozern durchs Wohnzimmer krachen. Angst und Unsicherheit liegt in der Luft, wird der Garten zur Autobahn und mein Grund und Boden mit Gewinn verscherbelt, ich an die Luft gesetzt?  Täglich glaube ich, es kommt noch ganz anders, noch viel schlimmer. Der Einzug der merkwürdigen, nach Gewinn japsenden Nachbarn kann nicht das Letzte gewesen sein. Da kommt noch mehr, das sage ich dir, sagt mir meine mich selten im Stich lassende Vorahnung.

Werden die Mohrrüben plötzlich umgekehrt wachsen, das orange Teil oben und das Grün unten? Geht nicht, werde ich rufen, geht nicht, weil Grün ist Chlorophyll und kann nicht unter der Erde wachsen, dazu braucht es Sonne. Den Nachbarn mit denen ich darüber seit Tagen diskutiere ist das wurscht. Sie wollen, dass ihre Mohrrüben umgekehrt wachsen und meine sollen das gefälligst auch, immerhin gehört mein Stück Garten jetzt ihnen und daran solle ich mich gewöhnen. Ist es also bereits so weit. Sie haben das Verfügungsrecht über mich und diktieren mir fürs Erste den Wuchs meines Gemüses. So weit musste es kommen. Nach beinahe 12 Jahren bescheidenem Dasein kommen nun die und meinen es kommt noch ganz anders. Das Regenwasser wird nicht mehr in der Tonne aufgefangen sondern in eigens dafür angeschafften Plastiksäcken. Die werden zugeschweißt und im Austausch von schlechtem Gemüse nach Spanien verbracht. Das war ja nicht so schlimm, die Tonne wollte ich ohnehin austauschen. Keimt etwas schon wieder Zweckoptimismus in mir auf? Dass ich jetzt allerdings immer im strömenden Regen bei der Regenrinne zu stehen habe, um auf Weisung das Nass in den Säcken aufzufangen, das macht mich mürbe. Ich mags nicht in Permanenz angeregnet zu werden. Vor allem was habe ich davon?

"Sie haben unseren Garten in dem sie wohnen dürfen, reicht das nicht?"

Werden die neuen Nachbarn, Möchtegerndiktatoren mir unwirsch zurufen und noch dazu daraufsetzen, ich könne ja gehen wenn es mir nicht passe. - Nach 12 Jahren kalkuliertem Dasein ist das jetzt starker Tobak, so wolle ich das nie. Dabei überlegte ich noch vor wenigen Monaten mein Stück Grün zu verkaufen und mich wo anders nieder zu lassen. Das habe ich jetzt von meiner wählerischen Vorgangsweise. Hätte ich nur eher bei dem einen oder anderem Stückchen Grün zugeschnappt. Dann hätte ich nun vermutlich vernünftige Nachbarn, welche, die mich verstehen, die ich verstehe und die mir nicht den Grund unterm Arsch wegkaufen um mir anschließend zu sagen wie dankbar ich gefälligst sein soll. Ach und die Salatblätter immer schön mit der Zahnbürste vorreinigen. Das wollen wir so, denn so gehört sich das in jedem unserer Gärten.

Gestern meinten diese Quälgeister ich solle doch endlich was gegen die Maulwurfshügel unternehmen. Es gäbe in keinem ihrer Gärten so ein Durcheinander wie in dem meinen. Das können sie so nicht dulden und ich solle diese Aufforderung auch gleichzeitig als erste Verwarnung sehen. Mehr als die erste gäbe es nicht meinten sie.

Allmählich habe ich den Eindruck ich bin hier wirklich nicht mehr erwünscht. Um ehrlich zu sein, es muss ganz und gar nicht dieses Stück Grund sein. Ich kann mich auch wo anders niederlassen. Wo es für mich mehr an Akzeptanz zu finden gilt. So muss es nicht bleiben. Und da können die tausendmal am Tag meinen es käme noch ganz anders. Mit mir nicht.