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Wie kann es passieren, dass man in den Tag hinein lebt und auf das Atmen vergisst? In dem man zufällig einen Ersatz gefunden hat, durch den es sich auch ganz bequem leben lässt. So erging es zumindest mir in den vergangenen Tagen während der hoffentlich von der Leserschaft bemerkten Blog-Absenz.
Spätestens im Bett, kurz vorm Einschlafen erinnerte ich mich täglich daran, dass ich den Blog absolut vergessen hatte und dieser somit am nächsten Tag wieder nicht aktualisiert sein würde. Ich stellte mir so manch enttäuschtes Gesicht vor und muss zugeben, ich hatte allein durch diese Vorstellung ein ekelhaft schlechtes Gewissen.
Aber was ließ mich nun tatsächlich auf das Schreiben vergessen??
Es war die Fotografie. Ich besorgte mir unlängst eine wundersam, professionelle Canon DigiSpiegelreflex, ein tolles Stativ, Objektive, einen Baustellenfluter etc., räumte die Hälte meines Schreibtisches ab um Platz für Arrangements zu schaffen. Besorgte mir weißes Papier für den Hintergrund und begann zu überlegen was als erstes fotografiert werden sollte. Der Zufall ließ mich in einer Tageszeitung einem verwurmten Apfel begegnen. Die Mehlwürmer waren nicht besonders nett angeordnet, das Foto könnte besser sein. Das sah ich für mich als Auftrag. Ich besuchte am Freitag nach der Arbeit eine Tierhandlung und kaufte mir eine kleine Box Mehlwürmer und eine ebensolche mit wesentlich größeren, wunderschön gezeichneten Würmern. Angeblich handelt es sich um Schwarzkäferlarven. Im Internet konnte ich keinen Käfer dieses Namens finden. Vielleicht entsprang er auch lediglich der blühenden Fantasie des Verkäufers. Mit dem Wurmzeugs und einigen Äpfeln trat ich den Heimweg an und begann mit dem Aufbau meines Sets. Später bohrte ich den Apfel an und platzierte den Wurm kunstgerecht darauf. Jedoch war es gänzlich unmöglich länger zu belichten und gleichzeitig einen zappelnden Wurm im Apfel zu haben. Das wird nichts. Mit etwas Geduld und noch mehr Zeit hörte er zu zappeln auf und ich hatte einen mehr oder weniger willenlosen Statisten der sich wunderbar auf allerlei Dingen anbringen ließ. Äpfel, grüne, rote, weiters Zucchini, Wurst und vieles mehr.
Nach zwei Tagen der Wurmfotografie konnte ich letztendlich keine Würmer mehr sehen. Mir ekelte nahezu davor. Nur was soll ich mit den arbeitslosen Statisten tun? Meine Idee war, sie im Park auszusetzen um zuzusehen wie sich die Vögel über sie hermachen. Meine Grafikerin Petzy meinte jedoch ich möge ihnen die Möglichkeit geben echte Käfer zu werden, um sie fortfliegen zu lassen. Vielleicht mache ich das ja auch noch. Mal sehen.
Sie beglückwünschte mich außerdem zu meinem Fotografen-Virus und meinte lächelnd, das würde mich vermutlich die nächsten Jahre nicht mehr auslassen. - Und ihr Lächeln war etwas merkwürdiger Natur. Sie wusste offensichtlich wovon sie sprach und war ebenso stolze Inhaberin dieses Viruses. Also muss ich mich fortan am Riemen reißen, damit die Blogs in halbwegs regelmäßigem Takt weiterhin erscheinen. Und wenn mal gerade nichts kommt, dann bin ich garantiert am fotografieren. - Oder auf Urlaub.
P.S.: Die Würmer im Foto entsprechen eins zu eins meinen Lieblingen, den zitierten Schwarzkäferlarven. Herzlichen Dank auch an Frau Petzy, denn sie klärte mich auf, dass es sich nicht um Scharzkopfkäferlarven handelt, wie ich es irrtümlich schriftlich in diesem Blog vermerkte. Aber sie war schon immer etwas genauer als ich. - Meistens jedenfalls.
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