|
Von der Kunst des Gleichklangs |
|
|
Selbst ich könnte die Frage beim besten Willen nicht beantworten, ob man sich im Gleichklang befindet, wenn man weiß man soll nicht im Ohr bohren, weil sich die darin befindenden Ablagerungen in den Gehörgang verschieben könnten, irgendwann mal auf dem Trommelfell landen und einen schwerhöriger machen als man es sonst ist. Vermutlich ist zum Zeitpunkt des Ohrbohrens der Gleichklang sehr wohl noch vorhanden, er schwindet jedoch bei der Ankunft der Ablagerungen am Trommelfell.
Kann es einem aus dem Gleichklang bringen, wenn man eine Verabredung mit einem Patenjugendlichen hat und der Jugendliche sich vor dem Zeitpunkt des Zusammentreffens aus dem Staub macht? Wir lassen es ungeklärt im Raum stehen, ob es aus Vergesslichkeit oder ganz anderen Motiven geschah. Wir nehmen in den Raum auf, dass ein Nachfolgetermin vereinbart wurde, der in wenigen Stunden wahrzunehmen ist. Wir stellen eine dringliche Nachfolgefrage in den Raum: Kann es einem aus dem Gleichklang bringen, wenn der Nachfolgetermin wieder erfolglos war und der Patenjugendliche sich wiederholt einem persönlichen Zusammentreffen entziehen würde?
Wie ist es um den Gleichklang bestellt, wenn es einem angekündigt wird, man würde angerufen werden und man beim Anrufer eine halbe Stunde nach dem besprochenen Termin anruft und besagter Anrufer verhindert ist, aber nicht daran dachte, das anvisierte Treffen abzusagen. Wird spätestens dann der Gleichklang aus dem Lot gebracht? Noch dazu wenn einem von einer weiteren Seite beteuert wird, dass dies absolut letztklassig sei, man es selbst allerdings keinesfalls so letztklassig empfindet, höchstens vergesslich oder vielleicht gerade noch sozialarbeiterisch, aber auch nur deshalb, weil der Anrufer nämlich aus dem sozialen Eck hätte anrufen sollen.
Was um Himmelswillen kann einem denn dann aus dem Gleichklang bringen?
Vielleicht wenn man eine Rechnung zahlen soll und man keine Idee hat wie die Summe die am Zahlschein steht aufgetrieben werden könnte. Vielleicht wenn man Hunger hat, den Kühlschrank aufmacht und eine dürre Maus darin sitzt, mit einem Schild aus Zahnstocher und Preisettiket gebastelt auf dem steht: "Ich habe Hunger." Ich kenne einen ehemaligen Kollegen der muss nur mit der Wiener Buslinie 13A fahren und es wirft ihn für die Minuten der Fahrt und vielleicht gelegentlich nachhaltig aus seinem Gleichklang. Es gibt Menschen in meiner Umgebung die lieber Psychopharmaka essen, um in einen Gleichklang zu kommen, der sich als Außenstehender keinesfalls als solcher zu erkennen gibt.
Y O G A - würde die ganze Welt Yoga machen, dann hätten wir vermutlich mehr Gleichklang auf dieser Welt. Nicht dieses "ich sitze ruhig und schlafe gleich ein Yoga", NEIN, Ashdanga "ich mühe mich entsetzlich ab" Yoga. Damit sei keinesfalls gesagt, dass nun jeder der sich ins Yoga quält automatisch ein im Gleichklang schwingender Mensch ist, das wäre zu einfach. Aber man kommt dem mit Sicherheit etwas näher. Yoga gibt auch keine Gleichklang-Garantie auf Lebenszeit, aber es schärft vielleicht die Sinne um den Gleichklang etwas rascher wieder zu finden als sonst. An dieser Stelle soll meiner geduldigen, wie auch talentierten Yoga-Lehrerin herzlich gedankt sein.
|