Was gibt es Schöneres als immer wieder Paradiese auf Erden zu entdecken. Das Freibad in Peuerbach im Hausruckviertel gehört für mich dazu und unlängst hatte ich das Vergnügen in ein weiteres Freibad entführt zu werden, das wie schon erwähnt, dem Paradies ebenso sehr nahe ist und man die Englein dort schalmeien hört.
Edlach heißt das Paradies, es ist unmittelbar bei Reichenau in Niederösterreich und der Grundstock der Anlage ist wohl über 80 Jahre alt. Im Vergleich zu Wien sind die Eintrittspreise unverdorben, für die Halbtageskarte 2,80 Euro für zwei Erwachsene, inklusive zwei Kästchen, eine richtige Okkasion. Es gibt viel zu sehen und hören im Edlacher Freibad, ein Stück Vergangenheit, ein Stück Wiener Dekadenz aus längst vergangener Zeit, als Reichenau noch der Festspielort für die Reichen und Schönen aus Wien war. Ein paar wenige davon sind noch übrig und diese baden noch heute in Edlach. Selbst die Schauspieler aus dem Theater Reichenau sind zugegen und erfreuen sich daran, erkannt und von ihrem Publikum freundlich begrüßt zu werden.
Wem die Bademeister in Wien zu dick, zu vulgär und unansprechend sind, ist in Edlach gut aufgehoben. Bademeister erster Sahne versehen hier ihren Dienst und wirken viel eher wie zahlende Gäste, als aktive Sommerarbeiter. Freilich sind sie auch dementsprechend eingebildet und wissen offensichtlich nur zu gut vom Vermögen ihrer optischen Darbietung.
Wir lernten Marlene kennen. Sie war so frei und nahm ungefragt auf unserer Decke Platz, als ich gerade ein paar Minuten ohne Begleitung war. Offensichtlich witterte sie den Moment als perfekten Zeitpunkt einer mehr oder weniger unverfänglichen Annäherung. Schuld daran war allerdings ich, denn ich sprach sie ja imgrunde an, als sie lauthals nach ihrem Papa rief. Und wie Erwachsene eben so sind, sah ich ihn ganz genau in unmittelbarer Umgebung hinter einem Busch telefonieren. Meine spontane Auskunft wurde von ihr sofort kontrolliert, sie sah ihren Papa und war beruhigt. Das war gleichzeitig der Beginn unserer Bekanntschaft, denn wie schon erwähnt, sie setzte sich sofort unaufgefordert auf unsere Decke und begann mit mir zu plaudern. Ihre Kenndaten waren: 3,5 Jahre, wohnend im Dritten Bezirk in Wien, der sich etwas später, durch des Vaters Auskunft, als 3. Stock im Vierzehnten Bezirk korrigierte. Derzeit verbringt sie ihre Ferien im Wochenendhaus ihrer Eltern, im nahen Küb, direkt an der Südbahn.
Marlene war total nett, äußerst aufgeschlossen und gesprächig. Von mir wollte sie unbedingt wissen wie groß und wie alt ich sei. Das waren offensichtlich ihre wichtigsten Kennziffern. Sie nahm kommentarlos meine Auskunft entgegen, auch meine Erklärung, dass ich mit 1,76 Metern für einen Mann nur durchschnittlich groß sei. Von Matthias, meiner Begleitung, wollte sie hingegen nur das Alter wissen.
Marlenes Vater, ich würde ihn mindestens 8 Jahre jünger als mich schätzen, war äußerst liebenswürdig, denn er stellte seiner Tochter die Frage:
„Marlene, möchtest Du den Jungs nicht ein Keks schenken?“
Als Junge wurde ich schon länger nicht bezeichnet. Noch dazu war ich vollkommen unrasiert und garantiert noch älter aussehend. Offensichtlich schrumpft man als Spielgefährte in den Augen der Eltern auf das Altersniveau ihrer Kinder.
Wir bekamen je ein Butterkeks von Marlene. Allerdings nicht richtig überreicht. Sie legte es jeweils vor uns auf die Decke und strahlte uns dabei so richtig an. Ich konnte mir die Frage nicht verkneifen, ob sie denn vermute, dass ich ihr vor Hunger in die Hand beißen würde, wenn sie es mir persönlich überreicht hätte? Die Frage blieb unbeantwortet, vermutlich war mein Gedanke zu abstrakt. Gleichzeitig entschuldigte ich mich bei ihrem Vater für die soeben von mir gestellte Frage, denn sie könnte durchaus der Beginn eines von mir gelegten Traumas gewesen sein. Der Mann schien jedoch die Art meines Humors zu teilen und beglückwünschte mich nur dazu.
Und wenn ich ein Skat-Spieler gewesen wäre, wäre der Kontakt zu Marlene nie abgebrochen, denn ihr Vater bemerkte, dass es verdammt wenige Skat-Spieler in Österreich gäbe.
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