|
Als wir vor einigen Tagen vom kleinen Flughafen abhoben, waren unsere Adern von Adrenalin und einer abenteuerlichen, jungenhaften Erwartungshaltung gesättigt. Die Wetterbedingungen waren ungünstig, starker Wind herrschte, aber wir wussten, dass wir bestes Material unterm Hintern hatten. Davon abgesehen klebten uns Fallschirme am Rücken, also was solls.
Wir beschleunigten, wie üblich. Wir hoben ab, wie üblich und wir drehten die erste Schleife, wie üblich. Alles schien Routine zu sein. Unser Ziel war in ungefähr 150 Kilometer Entfernung. Steve meinte soeben, er hätte den starken Wind unterschätzt und es würde ein abenteuerliche Flug auf uns zukommen. Ich meinte, nachdem wir einen Flieger haben der auch für Extremkunststücke gebaut wurde, kann uns wohl nicht viel passieren und er mit seinen unzähligen Flugstunden hätte die Maschine im Griff als handle es sich um seine elektrische Zahnbürste. Steve hat Hunderte Weltrekordflüge hinter sich und weiß einfach Bescheid.
Eigentlich waren wir auf der Suche nach einem Grundstück auf dem man Hochgeschwindigkeitsrennen ausführen könnte. Wir steuerten unmittelbar auf die Wüste zu und gaben immer wieder unseren Standort in einen Computer ein um später vom Boden aus die potentiellen Rennstrecken untersuchen zu können. Das heißt, Steve flog und ich tippte die Möglichkeiten ein. Bei diesem Wetter vertraute ich ihm voll und ganz und wollte keinerlei Risiko eingehen, denn ich bin eher ein Schönwetterpilot.
Als wir rund 9 Zielgebiete überflogen und eingespeichert hatten, gab es noch eine kleine Überraschung für mich, die zum Ergebnis hatte, dass ich mich erstmals während eines Kunstfluges übergeben musste. Der alte Herr erfreute sich diabolisch darüber, mit mir Drehungen und Loopings zu fliegen, das das Gerät nur so zum Knarren brachte. Ich sah schon den Flügel neben mir nach unten brechen und tastete mich zaghaft zur Reißleine. Ich wollte sie später nicht erst suchen müssen und ungefähr Bescheid wissen, wo sie sich befand. Steve meinte ich würde plötzlich so blass aussehen und ich muss zugeben, ich konnte mich kaum zurückhalten und meinte ich würde ihm nach der Landung einen Kinnhaken verpassen. Den hätte er sich absolut verdient.
Unter uns hatten wir Gebirge und es besorgte uns gewaltigen Aufwind. Steve drehte den Motor ab und er hatte ihm Sinn ausschließlich den Aufwind für unser Fortkommen zu nützen, um die Gleiteigenschaften des Fliegers auszutesten. Und mir wurde wieder übel, denn wir verloren an Höhe und kamen den schroffen Bergkuppen immer näher. Hätte ich gewusst was mich erwartet, wäre ich mit Sicherheit nicht eingestiegen. Ich vertraue ihm zwar, aber nicht seinem unberechenbaren Wahnsinn. Der ist und bleibt für mich absolut irrational.
Dieser Flug war vor einigen Tagen. Gestern hob Steve erneut ab und diesmal allein. Niemand der ihm Einhalt gebot, niemand der aufkreischte und ihn verfluchte. Er schien sich vergessen zu haben und verschwand von der Bildfläche. Es heißt, er würde irgendwo in der Wildnis bei seinem Flieger sein und abwarten, bis er und das Wrack entdeckt werden. Wenn er in der Lage ist noch länger auf die Retter zu warten und nicht wieder riskante, muntige Stunts fliegt. In einer anderen Dimension. Der verrückte Kerl.
|