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Warum man neben Paris auch Venedig als die "Stadt der Liebe" bezeichnet, kann wohl kaum schlüssig erklärt werden. Eine sehr morbide Liebe allemal, eine dem Verfall preis gegebene, eine Liebe die den Harndrang seiner Besucher forciert sofern man anfällig dafür ist Harn zu lassen wenn schwankendes, blubberndes Wasser einen umgibt. Eine Liebe die den zahlreichen Türmen der Stadt die oft Jahrhunderte anhaltende Erektion nimmt und sie allmählich auf die Seite fallen lässt.
Mit Austrian Arrows nach Venedig zu fliegen bedeutet in eine kleine Dash einzusteigen um sich mit den Mitreisenden 2 Flugbegleiter zu teilen. Bei der Ansage des Kapitäns werden nicht nur die Ohren gefordert, auch das Hirn. Es sollte wohl Österreichs Schnellsprechrekord in 7.000 Metern Flughöhe gewesen sein. Der Mann spricht schneller als er zu fliegen imstande ist. Gelandet wird in Venedig zuerst mit dem rechten Rad und gezählte 4 Sekunden später auch mit dem linken Paar. Ciao Venezia.
Eigentlich gab ich vor eine gute Freundin von mir zu besuchen. Ich nannte sie vertrauensvoll "Donna" und wenn mir die dankbaren Zuhörer auf den Leim gegangen sind, ja erst dann hob ich zur Wahrheit an und musste gestehen Donna Leon doch nicht zu kennen. Wäre allerdings in Venedig nur ein Voreil gewesen. Es ist immer ein Vorteil sich durch eine, einem fremde Stadt von einem Ansässigen führen zu lassen. Dabei bekommt man in der Regel Dinge zu sehen, die dem typischen Touristenauge verborgen bleiben. Das beste und zugleich günstigste Restaurant, in dem man als Tourist nicht abgezockt wird. Geschmeide aus Murano rund 50 % günstiger als sonst wo. Den besten Parmesan, die schönsten Lieder, den traumhaftesten Wein. Das alles sollte mir verborgen bleiben, vorläufig zumindest, denn ich schwor bei meiner Abreise meiner neuen Geliebten: "Venezia, ich komme wieder!". Mit Tränen in den Augen verabschiedeten wir einander und wussten im Augenblick der Trennung, dass es wohl wieder sehr lange dauern würde, bis wir einander neuerlich sehen würden. Gilt es doch noch zahlreiche andere Geliebte in Europa, in der ganzen Welt zu besuchen.
Befinde ich mich in einem ausländischen Restaurant in dem ich hauptsächlich die dortige Landessprache höre, dann bin ich siegessicher. Lese ich auf den Tafeln vor den Häusern von einem "Touristenmenü", würde ich am liebsten die Tafel in den nächsten Kanal werfen und wüst auf italienisch toben: "Bleibt Ihr selbst und biedert Euch keinesfalls den Touristen an. Und wehe, versucht ja nicht sie auszubeuten!" Tja ... die Kritiker vor mir blieben ungehört und ich sowieso.
So fand ich mich in einer venezianischen Trattoria wieder in der unter anderem auch viel italienisch gesprochen wurde, in der ein Padrone die Gitarre nahm und sentimentale, herzergreifende Lieder sang. Zwei, drei Lieder später gesellte sich seine Schwester zu ihm, sie unterbrach ihre Servicetätigkeit um ebenso für Momente die Bühne der hohen Kunst zu betreten und sang mit ihrem Bruder ein Lied, dass ich nie wieder vergessen werde. Der Anblick war ... interessant, aber wenn ich die Augen schloss, dann war es stimmungsvoll wie nie. Und ja, ich gebe es offen und ehrlich zu, ich wollte ein "da capo", leider blieb ich ungehört, der Padrone schleuderte nicht und zog sich wieder zurück.
Venedig ich komme wieder, vielleicht sogar in dieses Restaurant.
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