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Von Trauzeugen und Versehrten E-Mail

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Heissa, vergangenes Wochenende heiratete meine (Lieblings)Schwester. Ich nannte es eine Versehrtenhochzeit. Wie sollte ich sonst einen zweiten Anlauf zweier sich Liebender nennen, die knappe 41 und 47 Kärntner Winter zählen??

Die beiden waren schon einmal verheiratet, allerdings nicht miteinander. Aber ...   es war eine Liebes- und keine Versorgungshochzeit, denn Gerhard, mein neuer Schwager steht mit beiden Berufsbeinen im Leben.

Wie auch immer, ich war stolzer Trauzeuge und erstaunt wie wenig man am Standesamt als Trauzeuge zu tun hat. Ein paarmal aufstehen, niedesetzen, das mussten aber die anderen auch, eine Unterschrift und anschließend den Standesbeamten davon überzeugen, dass das was er sagte und wie er es sagte wirklich einmalig war, mir aber ehrlich gesagt Vergleiche fehlen um das zu untermauern. Ich musste wenigsten ein wenig in der Realtität verhaftet bleiben, sonst hätte er womöglich unverdient abgehoben.

Unter uns gesagt, der Standesbeamte war schrecklich nervös, worüber sich ob seines Alters jeder von uns wunderte. Aber mit der Zeit fand er Festigung und wurde etwas besser. Matthias, mein Freund meinte jedoch, dass der Standesbeamte seiner Schwester wesentlich besser war.

Und hinter den sieben Bergen, bei den 7 Standesämtern ...

Eine essentielle Frage tat sich am Ende der Trauung auf:
Gibt man einem Standesbeamten Trinkgeld? Manche meinten JA, andere wiederum NEIN. Er bekam trotz einem Unentschieden insgesamt 37,- Euro. Und ich meinte nur achselzuckend, leicht resignierend ins mir nicht zuhörende Nichts:

"Aber er wird doch sowieso von der Gemeinde bezahlt."

Nachdem niemand wusste, wie sich eine eventuell unrechtmäßige Trinkgeldverweigerung gegenüber Standesbeamten auf die zukünftige Ehe auswirken wird, wollte man kein zu hohes Risiko eingehen und leistete sicherheitshalber den Obulus in erwähnter Höhe.

Und damit die Hochzeit doch noch einigermaßen flott wirkte, durfte das Brautpaar, das, wie ich mehrmals zurechtgewiesen wurde, nur bis zur Hochzeit so genannt werden darf und künftig offensichtlich als "die Eheleute" bezeichnet werden soll ...

Ich schweife ab. Um den Abgang vom Standesamt flott zu gestalten, überließ "Tante Ruth" die niemals eine Tante war aber von allen so genannt wird, sie überließ den beiden für die Fahrt ins nahe Restaurant Lorenz einen coolen Alfa Spider, ein echt hippes Cabrio-Gerät, im typischen Alfa-Rot.

Und das sah dann tatsächlich flott aus. - Selbst mit Susanne und Gerhard!

Es wurde gegessen und getrunken, wieder gegessen und gegessen und es kam zu keinerlei Ausfällen. Ein kleines Wunder für eine Hochzeit, wie uns der Wirt zu bezeugen versuchte.

In Kärnten findet man es übrigens total lustig, wenn in Abwesenheit der Braut- oder Eheleute in deren Wohnung oder Haus alles in Unordnung gebracht wird. Es wird Reis ausgestreut, Geschirr an Orte gestellt wo man es keinesfalls vermuten würde und wenn man es ganz toll treiben will, mauert man aus purem Schabernack die Schlafzimmertüre zu oder schmiert eventuell vorhandene Telefonhörer mit Hautcreme ein.

Letzteres ist Susanne und Gerhard erspart geblieben. Vielleicht hing es auch damit zusammen, dass ich die Intrige auf der Terrasse der Wohnung im Vorfeld noch mitbekam und mein volles Veto-Gewicht einbrachte. Aber was hat mein Veto als degenerierter Wiener im kraftstrotzenden Kärnten für Aussagekraft? Es wurde zur Kenntnis genommen, dass meine Schwester durchdrehen könnte und, dass man es nicht zu bunt treiben dürfte. Aber so ganz abdrehen ließ sich die supertolle Idee von "Golden Girls & Co" nicht.

Wie schon erwähnt, die Schlafzimmertüre wurde vor Jahren bei jemandem anderen zugemauert. Susanne und Gerhard kamen mit Geschirr und Reis vor der Schlafzimmertüre weg. Und ich habe mich total verkalkuliert. Meine Schwester blieb relativ cool. Gerhard, mein Lieblingsschwager (er ist der einzige, aber das tut nichts zur Sache) fand das wirklich absolut blöd und garnicht lustig.