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Unlängst hatte ich im Verlauf meiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Hospiz eine Begegnung mit einem 53jährigen Mann. Er war auf Grund seiner Bauchspeicheldrüsenerkrankung dort und meinte nur lapidar, einmal müsse jeder sterben und er fürchte sich nicht vor dem Tod, wenn es vorüber wäre, dann wäre es dies eben.
Ich dachte mir noch, dieser Mann müsse besonders weise sein, denn die meisten Personen hängen doch sehr an ihrem Leben und hoffen darauf, von ihrer Krankheit genesen, bald wieder nachhause gehen zu dürfen.
Er aber, er fürchtete sich nicht vor dem Tod und sah ihm sehr entschlossen entgegen. Er meinte noch, dass er sein Leben sowieso in einer Form lebte, die er so nicht wollte. Er war also mit dem Verlauf dessen nicht zufrieden, konnte es sich allerdings nicht aussuchen.
Man kümmerte sich um seine Schmerzen und kaum war er "eingestellt", hatte er die Möglichkeit wieder zu gehen. Das nahm er freudig an und ich dachte mir noch so nebenbei, dass er offensichtlich ja doch noch ganz gern weiterleben wolle.
Einige Wochen später begegnete er mir wieder im Hospiz. Er war also wieder da und sah wesentlich schlechter aus als zuvor, der Krebs schritt voran. Der Zufall ergab, dass wir wenig Kontakt hatten und kein Gespräch zustande kam.
Wiederum eine Woche später war ich bei seinem Anblick sehr erschrocken, denn der Verfall in dieser Woche war unübersehbar und ich kam mit ihm ins Gespräch. Er war extrem unruhig und konnte sich nicht entscheiden ob er liegen, sitzen oder gehen wolle. Ich hatte den Eindruck, am liebsten würde er alles auf einmal tun wollen. Als die Ärztin nach ihm sah meinte er zu ihr er glaube, dass er in dieser Nacht versterben werde. Sie ging auf diese, seine Feststellung ein und stellte ihm die Frage wie das denn sei und ob das für ihn so in Ordnung wäre.
Er meinte: "Sterben müssen wir leider alle einmal." Es war festzustellen, dass er es keinesfalls mehr so sehr willkommen hieß wie noch einige Zeit zuvor. Also doch nicht.
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