|
Wäre ich ein Kolumnist in einem auflagenstarken Medium, mit genau dieser Kolumne, hätte vermutlich jeder meiner Gesprächspartner stets im Hinterkopf, dass ich die Begegnung aufsauge um Gipfelmomente daraus zu veröffentlichen. Dem jungen Mann von heute wäre vermutlich auch dies vollkommen egal gewesen und er hätte sein Verhalten mir gegenüber wohl kaum geändert.
Freundlich, ungestüm, aber wortlos, bietet mir der junge Mann gegenüber mit einem breiten Grinsen sein Getränk an, nicht ohne zuvor selbst einen kräftigen Schluck gemacht zu haben. Ich verziehe das Gesicht zu einer Grimmasse und verneine halb angewidert. Nachdem sich die Begegnung in der Badner Bahn abspielt, blicke ich wieder zum Fenster hinaus um ihn zu ignorieren. Der Versuch misslingt, der junge Mann lässt sich von seinem Vorhaben nicht abbringen und ergötzt sich daran, mir immer wieder sein Getränk anzubieten. Meine sich immer wiederholende Reaktion schien ihn zu erheitern und war offensichtlich Stimulanz genug das Spiel auf Unendlichkeit anzulegen. Somit beschloss ich ihn noch schärfer zu ignorieren und dieses mit einem aufgesetzt bösen Blick zu beginnen. Es wirkt und ich werde in Ruhe gelassen. Nächste Leidtragende ist seine Mutter, der es kaum mehr gelingt den Knirps vor dem Ausstieg zu bändigen. Ach, ein wesentliches Detail, der junge Mann war schätzungsweise zwei Jahre alt und das Getränk befand sich in seiner Nuckelflasche.
Viel mehr passierte heute nicht. Zwar bin ich bemüht, wie ein trockener Schwamm alles aufzusaugen, aber oftmals bietet sich rein überhaupt nichts an. Oder ist es Wert über den Naschmarkt zu schreiben, auf dem ich heute exotische Knabbereien kaufte und wieder feststellen musste, dass mein türkischer Italiener nebenan vollkommen Recht hatte, als er gestern den Naschmarkt als die Apotheke unter den Märkten Wiens bezeichnete. Jawohl, das ist er.
Der türkische Italiener kommt daher, weil der gute Mann aus der Türkei stammt und in Wien ein italienisches Lokal names "Impressione" betreibt. Zusätzlich managt er einen Großhandel mit italienischen Spezialitäten wie Salami, Schinken, Nudeln, Käse, etc. Sein neuestes Kind ist ein Verkaufslokal gegenüber dem Impressione, in dem man in Kürze auch kleinere Mengen zu Großhandelspreisen wird einkaufen können. Ein kleiner quirliger Mann, dessen Tag allein durch seine Bewegungsgeschwindigkeit sicherlich 30 Stunden betragen muss. Er holt sichtlich mehr aus der Zeit heraus als jeder andere.
Mit Safran geröstete Pistazien. Was es nicht alles gibt. Safran wäre für mich ein gutes Färbemittel aber relativ geschmackslos. Der Verkäufer am Naschmarkt war der Meinung, durch den Röstvorgang bekäme alles zusamen allerdings einen besonderen Geschmack. Gag oder Realität? In wenigen Tagen wissen wir mehr.
Der Schwamm ist ausgewrungen. Wie sagte doch ein begnadeter Trainer, als er sein Interview beenden wollte?
"Ich habe fertig!"
|