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Ist es als ein glücklicher Umstand zu bewerten, wenn man mitten im Leben das schmeichelhafte Privileg erlangt hat Gott zu sehen? Nicht den einen der Katholischen Kirche, es ist ein anderer, aber ich habe ihn gesehen.
Er trat mir heute als ein Mann in den Vierzigern entgegen. Lächelnd, verbindlich und doch mit allen Floskeln dieser Welt bewaffnet. Eine gepflegte, göttliche Gestalt die sich gefällt und damit spielt, dass sie Gott ist.
Und selbstverständlich war ich keinesfalls der gefällige Engel der um diesen einen Gott herumschwirrt und ihn mit wohligen Schallmeienklängen bedeckt. Ich bin eher eines der gelsenähnlichen Dinger, die alles hinterfragen, besser wissen und sich wundern wie heilig es bei den anderen gerade zugeht. Von mir wird ins Ohr gezwickt, in die Wade gepiekst, Unfug gesprochen und vieles mehr. Als hinterfragender Engel muss man kreativ sein, anders geht es nicht. Lieblich zu lächeln soll anderen vorbehalten sein.
Selbstverständlich wusste Gott auf alles eine Antwort und selbstverständlich waren seine Ansichten die, die es anschließend galt in Stein zu meiseln. Für die Ewigkeit oder zumindest für so lange bis diese Gottheit im ewigen Licht ruht und wir Engel mit einer neuen Lichtgestalt konfrontiert werden. Das energetische Drumherum ist geduldig und produziert Gottheiten wie Sand am Meer. Und jede hat ihre Ansichten, Meinungen, Aufträge. Als Engel muss man springen wie es jeweils klingt, sonst wäre man auch ein schlechter Engel und würde vielleicht doch irgendwann in die Verdammnis gestoßen. Und wer will das schon. Viel lieber öffnet man ein Stückchen des temporären Himmelreiches und guckt durch die nächste Türe wie es denn dort beschaffen ist. Und mit etwas Glück sitzt gerade hinter dieser Türe eine Gottheit mit einem Mangel an Engeln, eine also, die das Engelservice genießt und würdigt. Aber bis dahin wird noch gepiekst und Unfug gesprochen.
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