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Haben Sie heute schon E-Mail
photocase_de_tschanga_563428842.jpgDa wo ich zur Zeit wohne, da geht es ordentlich zu. Wir sind ungefähr 10 Mieter und den meisten ist zum Kotzen zu mute, so sehr wird seit Tagen gegen die Wände gehämmert. Nö, nie im gleichen Takt, das wäre zu einfach. Der Takt wechselt, mal schneller, mal langsamer, es wird immer gehämmert und das ordentlich.
Nicht, dass man sich daran gewöhnen könnte. Denn hält man sich die Ohren zu, spürt man die Vibration und mit ihr hört man wieder automatisch den Krach, den man eigentlich gar nicht hört. Er ist einfach da. Um den Krach zu übertünchen wird täglich mehrmals gekotzt. Dazu reißen alle wie verabredet ihre Zimmerfenster auf, beugen sich nach draußen, gucken nach unten, damit man niemanden trifft und auf eins, zwei, drei, wird gekotzt was die Rohre hergeben. Kotzen befreit ungemein. Man hört dabei das Hämmern nicht und danach ist man so matt, dass man automatisch, so man sich auf das Bett legt, wegpennt. Da können die noch so hämmern, niemand hört es, alle pennen. Das geht aber nur für jeweils maximal eine Stunde, dann dringt das ewige Gehämmere wieder ins Bewusstsein und die Sache beginnt von vorn. Fenster auf und kotzen was das Rohr hergibt, pennen.

So geht es für Tage. In der Mieterversammlung erscheinen Schattenleute, sehen sich an und glauben nicht was sie sehen. Das sind wir. Abgetaktelte, ausgekotzte Mieter die das Hämmern satt haben und doch nichts dagegen unternehmen können weil sie nicht wissen woher es kommt. Hinter den Wänden ist nämlich nichts. Alles mehrfach geprüft. Eigentlich grenzt das Hämmern an ein Wunder. Man sollte die Wohnungen räumen und fanatischen Menschen vermieten die mal "Thrill" suchen. Drei Tage widerliches Hämmern um € 120,- die Nacht. Ohne Frühstück, ohne nichts, aber mit Dusche und WC. Heizung ist auch gratis, das Hämmern sowieso. Nur herein spaziert und genießen Sie ihren Aufenthalt, Sie werden ihn nie wieder vergessen.

Es gibt ja Leute die das mögen und freiwillig bleiben und dafür auch noch etwas zahlen. Die brauchen wir. Sobald wir genügend Geld zusammen haben, quartieren wir uns alle aus, suchen uns ein brauchbares Objekt und bilden eine Kommune. So wie Otto Mühl damals. Keine mit freiem Sex, aber mit freien Gesprächen, freier Arbeit und freiem Leben. Allumfassender Freiheit eben.

Aber bis wir das Geld zusammen haben wiederholt sich jeder Tag bis zum Punkt am i. Irgendwann mal essen, dann den Kopf fest zwischen den Händen halten um das Hämmern zu vergessen um resignierend feststellen zu müssen, dass die Vibration den Körper durchdringt und das Hämmern nicht aussperrbar ist. Alle Fenster gehen auf und es wird aus vollen Rohren über viele Minuten ordentlich auf die Straße gekotzt. Da hört man das Hämmern nicht und danach ist man so sehr ausgelaugt, dass man sich dankbar ins Bett legen kann, um für die obligate Stunde zu schlafen. Ganz ohne Hämmern, das zwar da ist, aber doch wieder nicht. In der Stunde wird von der Kommune geträumt die einem ein freies, halbwegs unbeschwertes Leben ermöglicht.

Haben Sie heute schon??