Achtung, er beginnt zu denken. Heute, über das Leben und den Tod.
Alter Mensch bleibt bis zum Tod zuhause, schläft ein und ist tot.
Alter Mensch hat Familie, kommt ab Stunde X zu den Kindern und lässt sich dort zutode pflegen.
Alter Mensch hat keine Familie, ist unfähig länger allein zuhause zu leben und kann sich den näheren Kontakt mit einer Pflegekraft aus der nahen Slowakei kaum vorstellen.
Dieser letzten Spezie möchte ich mich heute widmen.
Alt, pflegebedürftig, vielleicht etwas xenophob und oder finanziell unterbemittelt.
Was mache ich also, ich begebe mich in ein Pflegeheim. Und damit komme ich bereits auf den Punkt.
Lese ich doch unlängst im KURIER eine Anzeige von einem SENIORENSCHLÖSSL WIEN-ATZGERSDORF. Suchen ---> Heimleitung, Pflegedienstleitung... also abkürzend, einfach alles, denn das Heim wird erst im Herbst eröffnet. Ach ja, den vollen Namen unterschlug ich: "Wie daham ... SENIORENSCHLÖSSL WIEN-ATZGERSDORF".
Einfach sensationell. Ich wohne in einem Schloss und bin doch "wie daham ..."! Nun stelle ich die Frage, die ich mir nur stellen kann, weil ich ja in Wirklichkeit noch der Analyse fähig und nicht soweit bin um in ein Pflegeheim gehen zu müssen:
Will ich "wie daham ..." leben? Überall dieser unendliche Staub, auf den Büchern, am Kasten, unter dem Bett, Staub wohin das Auge blickt. Ist es in einem Schlössl mit dem Flair eines Schlössls nicht weitaus schöner und ja, staubfrei? Rechtfertigt sich der Preis, der für meine Verwahrung zu bezahlen ist, wenn es nur "wie daham ..." ist? Davon abgesehen passt für mich Schlössl und dieser Dialekt im Namen schon garnicht zusammen. Wenn ich mich einer Farm übergebe und es "wie daham ..." ist, dann fände ich es weitaus glaubwürdiger als wenn mir Schwester Sissy und Pfleger Franzl unter die Arme greifen um mir meine letzen Monate mit einer Plastikkrone am Haupt zu erleichtern.
Also wenn schon Schlössl, dann besser nicht "wie daham ..."
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