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Man sieht Dinge und erkennt sie sofort oder weiß diese zumindest zu deuten. Manche Dinge geben sich wiederum leer und sind nicht zu erkennen. Schlimm wird es, wenn einer das eben betrachtete erkennt und der andere nicht. Die gemeinsame Basis fehlt. Aber selbst das muss nicht weiters schlimm sein, es sei denn es soll genau auf diese Basis aufgebaut werden. - Cut.
Unlängst saßen wir im Café Lux am Spittelberg und dort steht in einer Art Wintergarten, nein zurück, um konkret zu sein dieses Ding steht an einem überdachten Innenhof angeschlossen im Freien, also der Innenhof ist in diesem Fall der Wintergarten und daran angrenzend gibt es ein kleines Stückchen originellen Hof, mit Grünzeug und allem möglichen Drum und Dran und eben diesem Holzding, das dort relativ mittig steht und in den Wintergarten blickt. Wir kennen einander seit Jahren und wann immer ich im Lux weile, begegnet es meinen Blicken nickt mir förmlich freundlich zu und sagt ein leises, verrauchtes "HALLO" - wie könnte es auch anders sein, als verraucht.
Bisher wollte meine Begleitung immer auf das Spiel des Erkennens eingehen oder war von vorne herein ganz und gar ungespielt der selben Meinung, hat sofort, glasklar erkannt, was ich sah.
Eine riesige alles verschlingende Holz-Vagina.
Groß, oval, innen mit dunklen Zacken. Natürlich reine Fiktion, die Annahme, dass es sich um eine solche handle, aber sie steht unweigerlichda und blickt in den Wintergarten. Groß, siegessicher, vereinnahmend.
Um auf die Szene von unlängst zurückzukommen. Meine Begleitung wurde von mir auf das Ereignis sorgfältig vorbereitet und wir gingen am Ende der Zusammenkunft an IHR vorbei. Ich nickte, nein ich zeigte bedeutungsschwanger hin und dokumentierte es mit den Worten:
"Hier ist SIE! Sieht sie nicht wie eine riesige Holz-Vagina aus?"
Meine Begleitung, einmal weiblich, einmal männlich, prustete vor Lachen und quittierten meine Vorstellung mit den Worten, "ich hätte wohl überhaupt keine Ahnung von der Beschaffenheit des weiblichen Geschlechtsorganes". Doch, hätte ich grundsätzlich schon, versuchte ich noch zu entgegnen und musste zur Kenntnis nehmen, dass ich offensichtlich vergessen hatte die bedeutungsvolle Abstraktion hervorzuheben. Nun war es zu spät, mein von mir hervorgehobenes Kunstwerk verlacht und ich am Boden zerstört. Allerdings nicht ob des Gespötts, sondern ob der sich in mir breit machenden Magen-Darm-Grippe.
Ähnliche Auffassungsunterschiede machen sich gelegentich zwischen mir und www.aboutpixel.de breit. Ich nehme gelegentlich am dortigen www.Treiben teil indem ich für gelungen gehaltene Fotos hochlade und diese mit dem Vermerk:
"Motiv / Verwertbarkeit"
abgelehnt werden. Darunter verstehen die Betreiber, dass das Motiv einfach nicht zu gebrauchen sei. Davon bin ich natürlich keinesfalls überzeugt, sonst hätte ich es ja nicht hochgeladen. Mit sechs Fotos ist es mir allerdings bisher gelungen zu beeindrucken. Aber auch im www liegt es ganz und gar im Auge des Betrachters, was er sieht oder eben nicht sieht. Nö, da steht doch keine Holz-Vagina.
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