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Wo sind meine Schuhe E-Mail

aboutpixel_de_yarik_flug_727.jpgManchmal weiß man nicht mehr wo oben und unten ist, wie es so schön heißt. Dabei handelt es sich bei dieser Feststellung um reinen Nonsens, denn allein durch die Erdanziehung, der man Tag und Nacht ausgeliefert ist, wird man vermutlich immerzu wissen wo oben und unten ist. Und wenn man es mal nicht mehr weiß, kann man sich zumindest erkundigen, sofern man nicht gerade isoliert in einer Lawine steckt.

Und doch passiert es immer wieder, dass einem orientierungslose Personen begegnen. Kollegen, die einem einem ein Mail schicken, obwohl sie an und für sich wissen müssten, dass man dafür der falsche Adressat ist und das Ansinnen nur auf blanke Ablehnung stoßen kann. Und doch kommt man in den Genuss der kollegialen Aufdringlichkeit.

Ohne Orientierung sind die zahlreichen Geisterfahrer auf den Autobahnen die sich zumindest für viele Momente nicht im klaren darüber sind, auf der falschen Richtungsfahrbahn unterwegs zu sein. Orientierungslos müssen auch manche Halbwüchsige in den Öffentlichen Verkehrsmitteln sein, die, will man den von ihnen verursachten Lärm richtig deuten, wohl davon ausgehen müssen, vollkommen allein unterwegs zu sein.

Orientierungslos war kurzfristig auch eine Kollegin im Hospiz die meine Erscheinung immer an Sonntagen wahrzunehmen pflegt, als sie mich nach einem Seminar an einem Dienstag und meinem damit zusätzlichen Hospizdienst entgeistert begrüßte und meinte was ich denn hier täte. Ich wiederum entgegnete, es sei doch Sonntag und daher sei ich da. Die Arme sah mich entgeistert an und war für viele Sekunden ohne Orientierung. Ja, ich war überzeugend und wir mussten beide lachen.

Teilweise ohne Orientierung war die alte Dame (92), die ich während dieses Dienstes besuchte und die meinte sie kenne sich überhaupt nicht mehr aus. Sie suche ihre Schuhe, ihr Gewand und überhaupt alles. Ich bot ihr meine Hand an und offensichtlich bot diese ihr genügend Orientierungsmöglichkeit. Sie beruhigte sich sehr rasch und die in ihrer Fantasie nicht mehr vorhandenen Schuhe und das Gewand wurden nebensächlich und wieder vergessen.

Da fällt mir ein, es gab durchaus schon einmal eine Situation in der ich nicht mehr wusste wo oben und unten war. Ich befand mich in Nötsch im Gailtal in einem Segelflieger und erlebte einen Kunstflug mit unvergesslichen Loopings, Schrauben und Senkrechtstürzen.