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Vertrautheiten E-Mail

photocase_de_kallejipp_4nfpch8g2.jpgDer Mensch ist ein Gewohnheitstier und die ihm vertraute Umwelt ist ihm in der Regel wichtig. Vertrautheit gibt Selbstsicherheit, beschleunigt Vorgänge und lässt diese zur noch vertrauteren Routine werden. Wenn man in der Nacht aufsteht und weiß, dass man nur nach rechts langen muss um einen funktionierenden Lichtschalter in Händen zu halten, lässt allein dieser Umstand Vertrautheit in den eigenen Wänden aufkommen.

Die mühsam angeeignete Vertrautheit wird sukkzessive täglich von Ahnungslosen unterminiert. Es beginnt bei kleinen Dingen, wenn wie heute im Supermarkt eine Dame der Verkäuferin gegenüber feststellt, dass sie ganz und gar nicht verstehe, warum das Joghurt nicht mehr geordnet sei. Zuerst gäbe es normales Joghurt, dann Null-Fett Joghurt und dann wieder normales Joghurt. Die Dame meinte es wäre viel logischer wie vor zwei Wochen, wenn das Null-Fett Joghurt zuerst käme, oder ganz zum Schluss und das normale Joghurt geblockt.

Die in ihrer Vertrautheit erschütterte Dame entlockte der Verkäuferin ein mildes Lächeln und erntete ein "Das machen wir nur damit unsere Kunden in Schuss bleiben und gefordert sind." Und ich rief stimmlos: "Und was ist mit der Vertrautheit die wir uns mühsam hier aufbauten? Wir pochen auf unser Recht und wollen alles wie vor einer Woche." Sie konnte es nicht hören, denn der Ruf erfolgte wie schon erwähnt stimmlos und was wäre die Folge meiner Bemerkung gewesen? Vermutlich hätte auch ich ein mildes Lächeln geerntet, milde zwar, aber weit davon entfernt um an jenes von Mutter Theresa zu erinnern. Generell stand in diesem Laden alles kreuz und quer, man wollte die sanft in uns ruhende Vertrautheit mit wilden Kanonenschüssen erschüttern. Ein elendes Durcheinander im Joghurt-Regal. Der Käse am späten Nachmittag noch immer nicht eingeschlichtet, verspätetes Halloween oder was, und nur damit die Kunden in Schuss bleiben und gefordert sind. Danke REWE, wo bleibt der Hausverstand?

Da lobe ich mir HOFER, denn hier stehen die Produkte seit 130 Jahren auf der selben Stelle und wechsle ich den Markt finde ich sie wieder an genau der selben Stelle. Selbst wenn ich das Bundesland wechsle, steht der Zweigelt aus dem Burgenland dort wo er auch in meiner Stammfiliale in Wien gestanden ist. Das nenne ich gepflegte Vertrautheit, die höchstens dann und wann durch ein neues Produkt im Sortiment gefordert wird. Aber selbst diese Produkte stehen dann so lange an dem selben Fleck, dass innerhalb weniger Wochen die Neuankömmlinge vom Schleim der seligen Vertrautheit versiegelt wurden. HOFER lobe ich mir, ist zwar nicht schön, aber unendlich vertraut.