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Vom Duft alter Damen E-Mail

klosterladen_eingang_1_pop.jpgJe älter ich werde umso spürbar eigensinniger werde ich in den olfaktorischen Eigenschaften meiner Eau de Toilettes. Früher mussten es rund 10 bis 15 verschiedene Düfte sein, denn ich brauchte unbedingt Abwechslung. Heute würden mir vermutlich 5 Düfte längst reichen.

4 davon kaufe ich im Klosterladen des Schottenstifts.

Und damit nähern wir uns bereits mit den Schritten einer alten Dame dem bedeutungsschwangeren Titel dieses Blogs. Bereits vor Jahren entdeckte ich rein zufällig den Klosterladen und gäbe es ein verliebt sein in einen Laden, dann träfe es für mich auf diesen wohl zu. Es ist ein kleiner, überschaubarer Laden der vielerlei Sinne unmittelbar anspricht und ich bin zudem davon überzeugt, dass es sich bei ihm um einen ausgezeichneten Kraftort handelt. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso es sich in ihm hervorragend aushalten lässt und ich nach jedem Besuch regelrecht aufgeladen wieder auf den Platz davor trete. Ein Kraftort eben.

Die erwähnten 4 Düfte, die ich im Klosterladen kaufe und mindestens ebenso regelmäßig in meinem Freundes- und Bekanntenkreis weiterempfehle, sind Chèvrefeuille (Geisbart), Verveine (Eisenkraut), Lavande (Lavendel) und Vanille.

Ich dachte bei Chèvrefeuille ja immer an Tabak. Es war ein Geruch der mich lange davor zurückschrecken ließ, mich diesem Duft auf Dauer zu nähern. Er lag mir einfach nicht. Dann, so nach und nach gewöhnte ich mich an ihn und nahm schließlich auch Chèvrefeuille eines Tages mit. Der den Laden leitende Oberhirte erläuterte mir erst vor ein paar Tagen, dass es Geisbart sei und nicht Tabak und, dass es sich um den Lieblingsduft der hier einkaufenden Männer handle. Er selbst würde Chèvrefeuille ebenso mögen und benützen.

Ich lächelte ihm mindestens so milde zurück wie er es mir entgegenbrachte und meinte ernsthaft:

"Ich liebe es wie eine alte Dame zu riechen und bevorzuge meist Lavendel."

Kurz stockte ich und überprüfte für mich innerhalb weniger Sekundenbruchteile ob ich das gerade sagte und es wurde mir durch sein noch milderes Lächeln gewiss, es tatsächlich getan zu haben. Wir wurden durch neue Käufer unterbrochen und ich versiegte in meinen spontanen Dufterklärungen.

Etwas später fiel mir ein ehemals naher Freund ein, der mir einmal schonungslos erklärte, dass ich des öfteren die Attitüden einer älteren Dame hätte. Ich konnte das nie verstehen und dachte höchstens eine etwas zu deutliche Sozialisierung von Seiten meiner Omi erfahren zu haben. Aber dann fiel mir ein, dass er vermutlich weit in die Zukunft blicken konnte und sah, wie ich soeben im Klosterladen des Schottenstifts 110 ml Eau de Toilette Lavendel um wohlfeile € 12,- erstand.