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Rosinen sind von der Natur benachteiligte Dinger. 50 % der Menschheit mögen sie nicht und neigen dazu sie mit großem Geschrei und spitzen Fingernägeln aus dem Ort ihres Daseins zu popeln um sie anschließend vom Tellerrand in den Müll zu bugsieren. Ein würdeloses Ende einer ehemals würdevollen Weintraube.
Durchschnittlich kenne ich mehr Rosinenverachter als Rosinenliebhaber. Ich gehöre zu letzteren und schätze die süßen kleinen Dinger sehr. Rosinen mit Nüssen - Studentenfutter, der schlanke Sattmacher.
Meine mit mir aufgewachsene Lieblingsschwester war eine absolute Rosinenverachterin und keine einzige davon konnte sie bedenkenlos zu sich nehmen. Lieber bepopelte sie z.B. den traditionellen Kärntner Reindling so lange bis er aussah wie ein Stück Schweizer Käse, made by Hefeteig. Sie war so eine, die eventuell sogar in ihren Flegeljahren die Dinger zwischen Daumen und Zeigefinger einspannte und quer durch das Universum schoss. Drum dachten viele Menschen in Lateinamerika es wäre Manna, das da vom Himmel fiel und wurden noch etwas gläubiger, fielen auf ihre Knie und öffneten begierig die Münder. In Wahrheit handelte es sich um die Rosinengeschosse meiner geliebten Schwester.
Es war ihr allerdings nicht bewusst, dass sie mit ihrer Nichtakzeptanz von Rosinen zum Seelenwohl der Menschen in Lateinamerika beitrug. So setzt man gelegentlich Handlungen und ist sich dessen nicht bewusst, was man damit alles anrichtet. Butterfly-Effekt eben. Hier ein harmloser Rosinenschlag und dort passiert damit ganz viel. Menschenmassen knien auf der Erde, singen Hosianna der Herr lässt Manna regnen, lobet und preiset ihn. Das natürlich alles auf spanisch, portugiesisch oder in uns noch unverständlicheren Indio-Sprachen. Ein Jahr später kommt der Papst zu Besuch, mit meiner Schwester im Schlepptau. Er bittet sie zur zuvor vereinbarten Zeit wieder mit den Rosinen zu stippen. Was er allerdings nicht bedachte war der Umstand, dass sie in seiner Nähe stippend das Manna am anderen Ende der Erdkugel regnen lässt. Es brauchte noch einen Anlauf bis er den Zusammenhang des Rosinenstippens verstand und ließ von da an meine Schwester immer entgegen gesetzt seiner Reiseroute bringen. Dann klappte es mit den vom Himmel regnenden Rosinen wieder. Die Menschen waren glücklich und dankten es nicht mehr Jesus, sondern dem vor ihnen stehenden Papst. Das ließ die Kirchenbeiträge wieder sprudeln und alle waren glücklich. Meine Schwester, weil sie auch noch in erwachsenen Jahren Rosinen popeln und stippen durfte. Der Papst, weil er mit diesem Trick die Menschen glücklich machen konnte und die Menschen weil sie sich mitten im Glauben wieder fanden. Schön nicht?
Wie passt das zur Headline? Naja, ich dachte mir, wenn man künftig alle Rosinen ins Brot bäckt, dann werden sie vermutlich auch gegessen werden, denn Brot isst jeder. Ich sehe allerdings schon wieder die Popler im Brot popeln. Also zermahlen wir die Rosinen ganz fein und schmuggeln sie solcherart ins Brot, dann können sie weder gepopelt noch gestippt werden und wir verraten es erst gar nicht, dass da zermahlene Rosinen im Brot sind.
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