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Heute war ich bereits in der Türkei. Sozusagen einer dieser Tagesflüge, sehr kostengünstig, effizient und abwechslungsreich. Als Supersonderservice der Wiener Linien für langjährige Kunden gedacht, war das heutige Amüsement zudem in der Jahreskarte inbegriffen.
Raus mit der ganzen Wahrheit. In Wirklichkeit war ich am Brunnenmarkt im vielgepriesenen, beliebten Restaurant Kent und gab mich dort den leiblichen Genüssen der Türkei hin. Und weil dort alles sehr authentisch ist, gibt es niemals Kellnerinnen, sondern ausschließlich männliches, emsiges Servierpersonal, das gestresster tut als allgemein notwendig wäre.
Das Kent war früher, noch vor der Einführung des EURO, eine Institution. Heute ist es ein verhältnismäßig angepasstes türkisches Restaurant mit einem riesigen Garten. Wie die meisten anderen auch, hat Herr Kent die Preise seines Lokals im Rahmen der EURO Einführung großzügig angepasst. Das führt dazu, dass ein sehr günstiges türkisches Lokal, vornehmlich von Studenten und anderen sparsamen Zeitgenossen frequentiert, nach und nach einen beachtlichen Touch von Luxus erhielt. Denn mit der Erhöhung der Preise vergrößerte sich jährlich der Garten, zusätzlich wurden neue Serviceplattformen für das Personal installiert und ein nobler Wintergarten mit gepolsterten Sesseln und einer Spiegelwand wurde ebenso errichtet.
Mein heutiger Gradmesser war der Schafkäse. Vor wenigen Jahren erhielt ich unter dem Codewort "Schafkäse" sehr viel von besagtem Käse und noch mehr an Tomate, als ergänzenden Zierrat. Heute kam unter dem selben Codewort ein Teller mit zwei großen Salatblättern, drei Tomatenscheiben und vier kleineren Scheiben Schafkäse. Absolut enttäuschend. Die Portionen wurden nicht nur teurer sondern auch kleiner. Wozu? Der Garten kann durch bauliche Grenzen nicht mehr erweitert werden, der Wintergarten steht bereits. Vermutlich werden die üppig fließenden Erträge mittels Union Bank verschickt und es entsteht bereits irgendwo auf dieser Welt ein weiteres Kent oder eine Villa in der Herr Kent schon demnächst residieren wird, um seinen Ruhestand zu feiern. Wenigstens das kostenlose Weißbrot gibt es noch in Unmengen zum Essen.
Ein Besuch im türkischen Supermarkt ums Eck lohnt sich übrigens. Dort dürfen sogar Frauen an der Kasse arbeiten, natürlich mit Kopftuch und einem äußerst unverbindlichem Blick zum Kunden. 500 Gramm Ceylon Tee mit Kardamom erwarb ich und ich werde schon morgen mit einer Tasse davon und einer Shisha, genüsslich auf einem Teppich, auf dem Boden im Büro sitzen und darauf warten, dass das Telefon klingelt.
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