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Von Teenagern umzingelt E-Mail

thinking_teenie.jpgIst es ein Zeichen meines Alters, dass sich zur Zeit Begegnungen mit Teenagern häufen? Einerseits ja, mein Umfeld altert und mit ihm seine Kinder und wenn mein Umfeld altert, stecke ich wohl mittendrin. Auch wenn es heißt, an den Kindern merkt man sein eigenes Altern und ich keine Kinder habe, da reichen wohl als Spiegel die Kinder meines besagten Umfeldes.

Ich persönlich empfinde Gespräche mit Teenagern herzerfrischend, es eröffnen sich Perspektiven die längst vergessen waren oder vielleicht selbst nicht einmal annähernd gelebt wurden. Ich war nie in einer Band, habe es mit dreizehn verabsäumt unentschuldigt bei einem Freund oder einer Freundin über Nacht geblieben zu sein oder ich bin auch nicht aus der Waldorf Schule geflogen weil ich deren anthroposophisches Konzept sprengte. Um keine falschen Spuren zu legen hinter diesen Beispielen stehen gleich drei Teenager, zwei Mädchen, ein Bursche, zwei davon finden hier Resonanz.

Chiara, 13,
"Peter, was hörst Du denn für eine Musik?"

Ich blicke Chiara verdutzt an und weiß so auf die Schnelle nicht mal was ich antworten soll. Es ist bereits wieder ein paar Dates und mindestens ebenso viele Jahre her, dass ich selbiges gefragt wurde.

"Hm.. Klassik hauptsächlich. Und im Büro gezwungenermaßen FM4." Letzteres höre ich so nebenbei, sodass ich nicht mal sagen könnte was ich da höre. Amy Winehouse erkannte ich kürzlich und konnte mich wichtig machen. Zu meinem eigenen Gaudium kannten meine Kollegen sie nicht und diese fanden die junge, extrem talentierte Sängerin nicht mal so schlecht. Amy Winehouse ist mir allerdings auch nur ein Begriff weil ich sie in meiner Homebase auf der Playlist von Matthias immer wieder und wieder und wieder höre.

"Was Du hörst nur Klassik? Das ist ja fad. Nichts Modernes?" Chiara scheint über meine Antwort erschrocken zu sein. Offensichtlich signalisiere ich nach außen ein größeres Maß an Aufgeschlossenheit als ich es tatsächlich imstande bin zu leben.

"Naja, ein wenig Modernes höre ich schon auch. Aber selten. Ich höre generell selten Musik, weil es so wenig Stille gibt möchte ich diese bewusst erleben, auch wenn es nur die "Stille" der U6 ist. Manchmal höre ich sogar Gregorianische Gesänge." Chiara konnte mit "Gregoriansichen Gesängen" nicht viel anfangen, aber das war rasch erklärt. Dabei wollte ich keinesfalls auch noch in die Tiefe gehen um ihr zu erklären, dass ich an die Selbstheilungskräfte dieser Musik glaube und sie beinahe ausschließlich nur dann höre, wenn ich mich nicht im Gleichgewicht befinde.

"Was hörst Du dir denn so für Musik an?" will ich von ihr wissen.

"White Stripes, Mando Diao ..." - die anderen konnte ich mir beim besten Willen nicht merken. Klingt jedenfalls unglaublich cool und ganz gut entwickelt. Ein Teenager mit Geschmack.

Chiara meinte dann noch, es wäre vollkommen klar, dass sich unser beider Musikgeschmack unterscheide, denn ich wäre ja schon alt. Aufgrund meines verdutzten Blickes sah sie sich allerdings genötigt, in die spontan getätigte Aussage nachträglich etwas Milderung einzubauen.

"Naja ich meine "älter", alt ist man ja erst mit 60 und mit 40 ist man nur etwas älter!"

Elisabeth (Chiaras Mutter) und ich sahen einander aufatmend an und lehnten uns wieder zufrieden zurück. Wir entspringen übrigens demselben Geburtsjahr.

Gestern erfolgte die letzte Begegnung mit einem 15jährigen männlichen Teenager, im Verlauf eines Geburtstagsfestes seines Opas, der wiederum ein guter Bekannter von mir ist.

Es war mir ein Vergnügen, mich mit Sebastian zu unterhalten. Ein aufgeweckter Kerl, freundlich, sonniges Gemüt. Und als hätte ich unbeabsichtigt ein Ventil geöffnet, erzählte er mir von seiner Waldorf Schule und dem erzwungenen Abgang von derselben. Er meinte er wäre nur noch faul gewesen und hätte Schwierigkeiten gemacht. Von dort kam er in die Hauptschule, dort waren allerdings die Erwartungen an einen ehemaligen Waldorf Schüler so hoch, dass er schon allein aus reinen Imagegründen und um sich selbst treu zu bleiben, die Rolle eines Querulanten einnehmen musste.

Zur Zeit befindet er sich im Gymnasium Hegelgasse und absolviert dort sein neuntes Schuljahr um danach eine Lehre zu beginnen.

"Am Montag habe ich ein Bewerbungsgespräch bei KIKA, als Lehrling für den Verkauf." erzählte er mir und ich empfahl ihm dazu vielleicht doch den Irokesen zu rasieren und nicht zu vergessen im Gespräch darauf hinzuweisen, dass er auch bereit wäre seine Haare wieder wachsen zu lassen. So eine Art "good will Tour". Er fand die Idee großartig und ich bin mir sicher er wird das auch tatsächlich einbauen.

"Sollte das nichts werden, kann ich bei Opa in der Firma GRAMOLA beginnen und dort meine Lehre machen." grinst er und war schon wieder dahin.

Sebastian ist einer jener Teenager um die man sich, trotz seiner Schwierigkeiten in der Schule, keine Sorgen zu machen braucht. Er drückt sich gewählt aus, ist gscheit und scheint ohnehin zu wissen worauf es ankommt, auch wenn die pubertären Hurricanes dieses Wissen vielleicht gelegentlich ordentlich durcheinander wirbeln.