header image
Home arrow Blog arrow Sommerfest im Schüttkasten
Sommerfest im Schüttkasten E-Mail

schattenspiel_kellermeister_aboutpixel_de.jpgSchüttkasten klingt irgendwie nach kreativem Malkasten in dem kleine Männchen regelmäßig Farbe verschütten. Der Schüttkasten ist aber ein ehemaliger Getreidespeicher und darüber hinaus vielleicht gerade noch ein bisschen Rumpelkammer für diverse Gerätschaften der Landwirtschaft. All das ist fest im Besitz des Stifts Klosterneuburg und heute ein anständiges Restaurant.

Die Einladung zum Sommerfest im Schüttkasten nahm ich ausnahmsweise an, normalerweise finde ich nichts langweiliger als große Veranstaltungen mit den omnipräsenten C und D Rängen der Wiener Seitenblickegesellschaft. Meine fix eingeplante Begleitung sagte mir kurz vor dem Event ab und gab der Heimarbeit den Vorrang. Es handelt sich um eine gewisse Herausforderung, allein zu einem Fest zu gehen, denn da kann man nur schwer so tun, als ob man sich gut unterhalten würde. So tat ich es allein, nickte mir geschäftig zu, meine linke stieß mit meiner rechten Hand an und beide prosteten mir zu.


Es spielte eine geniale Dixi Band, deren Protagonisten sich nahezu allesamt durch rotgetrunkene Nasen auswiesen. Es waren nicht die Klini-Clowns. Mehrwert durch maßlose Konsumation. Darum baten sie eine der Kellnerinnen inbrünstig, bei der Musik zu bleiben und ausschließlich diese zu betreuen. Die solcherart angesprochene Kellnerin nahm den mehr als verinnerlichten Wunsch der Band nicht ernst und entfernte sich lachend. Nachdem die Nasen im Verlauf des Abends immer roter wurden, ist getrost davon auszugehen, dass die Dixi Band nicht im trockenen lag.


Kulinarisch mangelte es an nichts. Zahlreiche Weinbauern standen zu Verkostungen und damit verbundenen Gesprächen bereit und später wurden zusätzlich diverse Essensstationen eröffnet. Betreut wurden diese von einem Reigen von Haubenköchen, darunter auch mein Chauffeur und neben besagten hoch dekorierten Köchen, gab es eine Schwemme an Seitenblickeprominenz. Mein Lamm wurde liebevoll von Andrea Fendrich serviert. Das Curryhuhn wurde mir galant von Sigrid Hauser überreicht.


Noch mindestens weitere vier Stationen gäbe es durchzuprobieren, doch die Massen zwischen mir und den Stationen verhinderten ein erfolgreiches Aufeinandertreffen. So schlenderte ich unbemerkt zu den Desserts und landete in den Armen des genialen Hans Staud. Dessen Produkte ließ ich mir großzügigst auf Palatschinken auftragen und nebenbei tauschten wir uns über die Feinheiten seiner Konfitüren aus. Beide stellten wir fest, dass für uns die passierten Marillen nicht aufs Brot oder wie in diesem Fall auf die Palatschinke kommen. Wir schätzen die Stückchen. Bei den verarbeiteten Heidelbeeren machte mich Hans Staud auf den frischen Duft der Ware aufmerksam und stellte mit einem Siegerlächeln fest, dass sie noch vor wenigen Tagen am Waldesrand standen. Staud ist zu empfehlen und dabei meine ich keinesfalls nur die Konfitüren. Er ist ein genialer, gewitzter und unterhaltsamer Gesprächspartner. Dominik Heinzl erzählte mir, dass er ihn „Marmeladinger“ nennt. Ich sehe Dominik H. schon demnächst auch im Werbefernsehen von ATV+, als saure Gurke in einer Riesenkonserve der Marke Staud eingelagert.


Es gab viel zu sehen. Christina „jetzt nicht mehr Mausi“ Lugner war da und wurde wie ein Popstar gehyped. Ein wenig erinnerte mich ihr Auftritt an die kleine, unglückliche Paris H., nur in dunkler und lockiger. Die bemitleidenswerte Frau hat seit ihrer Trennung von Richard mehr denn je zu tun. Die Medienwelt reißt sich um den aktuellen O-Ton Christinas.


Barbara Karlich war ebenso anwesend und ließ sich mehrmals vom Vater ihres Kindes wenig dezent abknutschen. Sie hat einen merkwürdigen Geschmack, Männer betreffend. Außerdem war ich unsicher in der Authentizität der Küsse. Vermutlich waren sie ausschließlich für die Seitenblickeallesfesthaltendenkameras gedacht. Ja, es ist pure Liebe und Leidenschaft. Knutsch, knutsch. Schnitt.


Edith Leyrer war ebenso vor Ort und ich könnte schwören, die Gute sieht bereits satte 150 Jahre gleich gut aus. Aber ganz anders als zum Beispiel Jazz Gitti. Bei letzterer war der optische Cut zu bemerken, bei Edith Leyrer gab es dergleichen nie. Ich gehe ganz davon aus, dass sie entweder ein von oben gesteuertes Hologramm ist und ihr daher keinerlei Veränderung widerfährt oder sie ist eine dieser unsäglichen Gestalten, die dazu verdammt sind fortwährend zu leben. Aber dazu sieht sie zu sehr zufrieden aus. Also doch ein Hologramm. Und das verdammt gut gemacht, Edith Leyrer flackert nie. Ganz anders als Hologramme im Kino.


Jazz Gitti erwähnte ich bereits. Auch sie war da und tat, was man von ihr verlangt, herzte die Besucher und versprühte gute Laune. Und dennoch begegnete ihr vor dem Festzelt der pure Neid, denn der aufkommende Sturm konnte ihrer Dreiwettertaft gestärkten Frisur nichts anhaben. Anderen wehten hingegen geschätzte drei Meter Haare hinten nach und wollten etwas später auf der Damentoilette mühevoll  wieder in Fasson gebracht werden. Da dies nur mangelhaft gelang, sah ich im Verlauf des Abends zahlreiche zerstörte Vogelnestfrisuren. Erst da wurden mir neuerlich die vielen Vorteile meines soliden Haarschnittes bewusst.


Manche meinen übrigens, wir hätten eine zu dünne Prominentendichte und diese würde unweigerlich dazu führen, dass es an wohltuender Abwechslung mangelt. Aber bitte, schließlich gab es an besagtem Abend doch auch noch Peppi „Grantgsicht“ Hickersberger und Herbert „lang nicht mehr Schneckerl“ Prohaska zu sehen. Nach üppigem Essen, muss auch etwas Sport sein, auf die Bühne die Herren und bitte brav mit dem Gesicht zur Kamera.


Rosalinde, die Frau meines ersten Buches begegnete mir zu späterer Stunde ebenso. Wir stellten unisono fest, dass unser Einzelkind nicht mehr länger als ein solches bezeichnet werden soll, wir wünschen uns ein zweites Buch.


Und wer Sigrid Hauser etwas Gutes tun möchte, der kauft ihr ein neues Paar, extrem spitz zulaufender Schuhe in einem dunklen Farbton, denn ihre wurden im Verlauf des verregneten Abends vollkommen ruiniert. Und das können selbst Kabarettistinnen, Schauspielerinnen oder Autorinnen nicht gut heißen.