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Dass Kinder in einer Stadt wie Wien lästig fahllen, mitunter argwöhnisch betrachtet werden und es an und für sich ein Tierchen wesentlich besser hat, weil mit viel mehr Aufmerksamkeit und Liebe bedacht, ist allgemein bereits aufgfallen. Dass es aber Unternehmen gibt, die Tiere akzeptieren, sofern sie an der Leine sind, Kinder aber gänzlich verbieten wollen, das ist das neueste aller diesbezüglichen Erkenntnisse.
Ich bin mir nicht sicher, ob besagtes Unternehmen bis ans Ende der Geschichte denkt. Ist das Kind nicht mit dem Elternteil in der Firma, fällt der Erziehungsberechtigte aus und sorgt sich zuhause um das Kind. In diesem Fall gab es allerdings wiederum Fälle, in denen dem Erziehungsberechtigten von Firmenseite vorgeworfen wurde, er hätte schon viel zu viele Pflegetage konsumiert und solle sich gefälligst etwas einfallen lassen. Wie man es macht, es ist offensichtlich meist falsch.
Was bei Hund & Co als selbstverständlich gilt, Hauptsache Leine und wenn sehr groß, vielleicht auch noch Beißkorb zur Beruhigung der argwöhnischen Betrachter, ist bei Kindern gänzlich verboten. Aber es darf angeblich um Ausnahmegenehmigungen angesucht werden. Es sollte sachte über den Betriebsrat vorgefühlt werden, ob man, sollte den Kindern ebenso eine Leine und eventuell ein Beißkorb angelegt worden sein, ob man sie dann mit ins Unternehmen bringen darf. So manch Erziehungsberechtigter wird sich denken, lieber mit Leine als überhaupt nicht. Und es wäre nicht das erste Mal, dass ich ein Kind an der Leine sehe. Das waren allerdings wackelige Laufschüler und besagtes Kind, das Kind des Anstoßes, ist vier und läuft längst allein. Davon abgesehen, ist es wundersam brav und würde sowieso von Haus aus nichts anstellen - das wissen alle die es schon einmal gesehen haben. Man sieht förmlich die Engelsflügeln hinter dem Rücken hervorblitzen.
Ich hörte von seinem Vater, dass selbst ihm der Knabe zu brav sei und er sich manchmal mehr Rebellentum von seiner Seite wünschte. Selbiges packt er heute ausgerechnet in der Firma aus und setzt das Büro unser aller Geschäftsleitung unter Wasser, nachdem er es zuvor mit einem Mollotow-Cocktail in Brand bombardierte und die entsetzte Sekretärin aus dem Fenster warf. Die Arme war knapp vor der Pension. Ja - in Kindern darf man sich nicht täuschen. Selbst Vierjährige verändern sich von einer Sekunde auf die andere in unkontrollierbare Wesen, grenzenlose Schwerenöter und nichts mehr ist vor ihnen sicher. Besagtes Kind bewies es immer und immer wieder. Und erst nachdem der Koch schreiend aus der Kantine lief, der Kleine ihm mit einem riesigen Messer in der Hand nach, erst dann war auch uns allen vollkommen klar, dass besagtes Verbot offensichtlich doch seine Berechtigung hat und Kinder tatsächlich nicht hier her gehören.
Kinder gehören keinesfalls in einen Produktionsbetrieb. Selbst wenn sich die Produktionsstätten 3 Stockwerke unter den Bürofluchten befinden, sollte man sie keinesfalls, und schon garnicht ohne Leine mitbringen dürfen. Sinnvoll wäre grundsätzlich eine Petition, Kinder in Hinkunft ausschließlich in eigens dafür geschaffene Ghettos frei laufen zu lassen. Man müsste besagte Einrichtungen nur anders benennen, damit man nicht schon wieder mit längst vergangenem konfrontiert wird. Mhmm... Kindergarten zum Beispiel. Am Weg dorthin sollten sie tunlichst nicht mit Öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern mit eigens dafür vorgesehene Kastenwägen transportiert werden. Kein Kontakt zur Umwelt. Mit 18 kommen sie vor eine Kommission und werden schlussabgenommen. Und nur wenn sie diese Prüfung bestehen, werden sie als beinahe fertige Erwachsene in die freie Wildbahn der Erwachsenen integriert. Fällt der Test ungenügend aus, haben sie ein weiteres, volles Jahr die Möglichkeit nachzureifen und so erwachsen wie möglich zu werden. Dann kommt nochmals die Kommission und so weiter. Es wäre doch gelacht, wenn wir das nicht hinkriegen. Kinder sollen nicht mehr Kinder sein, zumindest nicht im Umfeld von Erwachsenen und deren Firmen. Darum sollen sich gefälligst Eltern und Ammen zuhause und in diversen Entwicklungseinrichtungen kümmern.
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