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Verstopfte Kanäle nach oben E-Mail

aboutpixel_de_ellyderolch_wolkenkreuz.jpgSeit Wochen werden fieberhaft Vorbereitungen getroffen und unter anderem wird diskutiert, ob man nun die Linden am Platz versetzen soll oder nicht, um mehr Raum für die Bühne zu schaffen. Die Polizei übte am Himmel und zwang ein Flugzeug zur Landung, warf den in den gesperrten Flugraum eingedrungenen Piloten anschließend auf den Boden des Rollfeldes. Freilich handelte es sich noch um ein Übungsszenario.

Wie sehr stehen die Kirchenmänner über den Dingen, wenn sie nach außen deutlich vernehmbar wetteifern, wer denn unterm Strich gesehen mehr Zeit mit dem Heiligen Vater, Papst Benedikt XVI, zu verbringen in der Lage ist? Ist es Abt Gregor, den der Papst, zum Missfallen der Wiener, sogar in Heiligenkreuz besuchen wird, oder Kardinal Christoph Schönborn der in früheren Zeiten dem Papst schon sehr nahe war und es nur ungern ansehen möchte, wie sich Abt Gregor mittels konservativ angelegter Hochschule in Heiligenkreuz dem Papst näherzurücken versucht. Wie Kinder buhlen sie um seine Liebe und können nicht genug Aufmerksamkeit von ihm erhaschen. Das war bereits heute im Rahmen der Begrüßung zu erleben.

Es stellt sich die Frage: Wie gut sind die spirituellen Kanäle nach oben? Das habe ich mich in den vergangenen Tagen des öfteren gefragt. Wie sehr kann Gott die Katholische Kirche Österreichs lieben, wenn er die Ankunft seines obersten Dieners in Wien wettertechnisch gesehen so unwirtlich gestalten lässt? Wie sehr kann er ihn unterstützen, wenn er ihn just vor der Reise heiser werden lässt? Wie sehr unterstützt dieser Gott seine Kirche, wenn er bereits innerhalb weniger Jahre zum zweiten Mal ein riesengroß angelegtes Kirchenfest in Mariazell wettermäßig so verkommen lässt? Vielleicht gefällt ihm ja das geschäftliche Treiben rund um den Tempel in Mariazell nicht. Vielleicht ist er auch längst der Meinung, man müsse die Kirche der Welt gegenüber öffnen und den vielbeschriebenen Zeitgeist lebendiger in ihr wehen lassen? Wir werden es von ihm wohl nicht erfahren, denn die spirituellen Kanäle nach oben sind verstopft. Wie könnte es auch anders sein. Wäre es eine Kirche und ein Gott, dann sollten die Päpste doch weitaus linientreuer sein und ihre eigene Person hinter die der Kirche und ihrer Gläubigen stellen. So aber agieren sie wie die Generaldirektoren eines Unternehmens und jeder von ihnen versucht, in den, historisch betrachtet, knappen Jahren seines Wirkens, seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Wo bleibt das übergeordnete Interesse? Weshalb darf eine einzelne Person bestimmen ob es liberale, aufgeschlossene Tendenzen gibt oder konservative? Alles nur mit der Tradition zu erklären, wie es Abt Gregor heute in enem Fernsehinterview versuchte, kann nicht das Ende der Wahrheit sein, vor allem wenn sie eine so sehr konservative ist.

"Wir sind eben keine Schönwetterchristen" damit vesuchte Kardinal Schönborn schon vor einigen Jahren ein verregnetes Mariazell bei Laune zu halten. Wenn wir in einer Halle die meinem Vater gehört ein Fest ihm zu ehren ausrichten und er würde just zu diesem Zeitpunkt die Sprinkleranlage akivieren und das danach bei jedem weiteren Fest ebenso halten, dann könnte ich mir doch vorstellen, dass meinem Vater das Fest nicht gefällt oder er von uns nicht befeiert werden möchte, weil ihm vielleicht doch etwas an uns stört. So muss es sein.

Traditionalisten und kirchliche Würdenträger werden ob dieser Zeilen schmunzeln und diese als naiv abtun. Was hat denn die Katholische Kirche, die Katholische Kirche in Österreich im speziellen, was hat denn die schon mit dem schlechten Wetter zu tun. Man kann doch um Gottes Willen einen Sukkus daraus nicht so sehr verbiegen, dass man es als Willen Gottes ansieht, dass es jetzt regnet. Was hat Gott mit dem Regen, mit der Natur und dem ganzen zu tun? In diesen Tagen nichts. Und wenn doch, dann ist es eine Prüfung für uns alle, denn wir sind keine Schönwetterchristen. Es ist eine Herausforderung an uns, ob wir auch bei diesem Wetter und bei diesen Strapazen bereit sind, die vor Wochen gelöste Zählkarte in Mariazell einzusetzen. So würden sie es uns zu erklären versuchen. Die Kirche besteht aus einem guten Teil auch aus Leid, aus auf uns genommenes Leid. Und je mehr wir davon auf uns nehmen, umso besser wird es uns dann später da oben irgendwo gehen.

Gibt es eine Garantie dafür?