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Regen immer von oben E-Mail

photocase_de_davidq_regen.jpgWas soll man sich dabei denken, wenn es bereits geschlagene 24 Stunden regnet und man von dem Grau da draußen mit der Zeit regelrecht plattgedrückt wird. So empfinden es zumindest viele meiner im unmittelbaren Umfeld lebenden Tagesgeister.

Nicht, dass sie mich anjammern, meine Tagesgeister, aber deren Bewegungsgeschwindigkeit und Lebenswille lässt durchaus Rückschlüsse darauf zu, dass das Grau von draußen dick und drückend auf ihnen sitzt, um vollkommen unrechtmäßig in den Besitz deren noch verbliebenen Lebensgeister zu gelangen.

Und seit 24 Stunden kommt der Regen ausnahmslos von oben. Solange man sicher im Hause weilt, könnte er durchaus zur Abwechslung von links, rechts, vorne oder hinten kommen. Wir würden in kurzen Arbeitspausen zum Fenster hinausblicken und uns daran ergötzen, wie der Regen auf der Straße vorbeieilende Passanten malträtiert und ihnen der Reihe nach die Schirme aus der Hand reißt. Wollten wir uns wirklich daran ergötzen? Das tut nicht gut. Also schleppen wir uns zurück zu den Schreibtischen und ich beobachte neuerlich meine Kollegen wie sie mit dem auf ihnen lastenden Grau fertig werden müssen.

Doch rückt die Stunde näher in der wir den heiligen Tempel der unendlichen Produktion zu verlassen haben. Wir nehmen in Zeitlupengschwindigkeit die Drehkreuze der Portiersloge und nähern uns mit zwei, drei Paddelschlägen der Bushaltestelle. Den Wetterbedingungen angepasst kommt nicht das übliche Gefährt sondern ein an Venedig erinnerndes Vaporetto, ein mit einem Dieselmotor betriebenes Schiff. Natürlich mit einem Überdach, es regnet schließlich seit 24 Stunden. Zum Glück hat der Chauffeur von venezianischen Traditionen keine Ahnung und uns bleibt sein Gesang erspart. Seit jeder Pizzabäcker in deutschen Shows auftritt um "Nessum dorma" zum Besten zu geben, würde zum Schluss auch er spontan seine gesamte Zukunftsplanung an eine erfolgreiche Karriere auf der Bühne knüpfen. Er würde bei der nächsten Insel vom Vaporetto springen und uns, "Nessum dorma" intonierend, ins Nirwana treiben lassen. Dort treiben wir noch immer und unser Arbeitsgeber wundert sich, dass die halbe Besatzung seit Tagen wie vom Erdboden verschluckt ist. Nachdem es auf diesem verflixten Schiff kein Telefon gibt, können wir uns natürlich auch nicht entschuldigen, müssen warten bis es zu regnen aufhört und leben einstweilen von Fisch und Wasser.