header image
Home arrow Blog arrow Danke es geht schon
Danke es geht schon E-Mail

photocase_de_kaffeeschlrferin_4k2mqjpk2.jpgEs ist einer der wenigen Tage des Jahres, in denen ich mit einer mir extrem erscheinenden Rückenkrümung nach ganz weit unten, von was weiß ich wieviel Prozent, die Gänge entlang wanke. Nein, nicht betrunken, aber voll bis ganz oben hin mit allem was das Leben in so einem Tiergarten zu bieten hat. Und motzen hilft jetzt auch nicht. Es wird einem zugeschaufelt und man schaufelt weiter. Sonst geht man unweigerlich im Morast der Wunderwelt unter.

"Bitte weiterschaufeln, sie verstellen mir bereits meinen mir vor wenigen Tagen vorsorglich gesicherten Freiraum."

Der Tiergartenkollege blickt mich ernst an und deutet mir mit nur wenigen Floskeln, dass es ihm ernst ist was er da sagt. Rückenkrümung aktiviert und ordentlich weiter geschaufelt. Es ändert sich zwar beinahe stündlich die Richtung und die oberste Ansprechperson, aber was solls, schließlich wird man für sein Tun bezahlt und das angeblich nicht zu schmal. Heißt es intern, vergleicht man es mit extern, wird man bemerken, dass viele andere Tiergärten auch ganz gut entlohnen. So lange die eigene Welt in der man Lebt eine passable ist, will man geneigt sein alles zu glauben. Sobald die ersten Hollogramme ausfallen und man hinter die Kulissen blickt, erschrickt man entsetzlich und wird rasch bemerken, dass die Giraffen niemals echt waren. Billige Hollogramme eben die schnell mal ausfallen. Mir ist zum Kotzen, täglich mehrmals. Es wird wohl nicht an der Tiergartenkantine liegen.

"Ich sagte Ihnen doch eben, sie sollen weiterschaufeln!"

Der Tiergartenkollege blickt mir halbgimmig entgegen und ich schaufle weiter, immer aus dem Takt kommend, mal schneller, mal langsamer. Dabei fällt mir ein weiterer Tiergartenkollege ein, er wird demnächst den Garten verlassen und wo anders anheuern. Vorher übergibt er mir noch alle seine Tiere um die ich mich künftig kümmern soll. Tiere mit denen ich nie was am Hut hatte. Nicht umsonst entschied ich mich für meinen Bereich, der liegt mir näher. Und nun? Ich lasse sie keinesfalls verhungern und werde mich natürlich um sie kümmern. Mit Herzblut? Voraussichtlich aus reinster Pflichterfüllung wie anno dazumal Kurt Waldheim auf seinem Pferd. Und wird man mich später über die Vergangenheit befragen, wird mir jene unsägliche Epoche einfallen, ich werde mein Pferd tätscheln und es wird laut und deutlich sagen: "Ich war es, nicht er." Nur was es auf sich nimmt weiß kein Mensch, ich natürlich auch nicht und könnte es sprechen, dann hätten wir zumindest die Möglichkeit es zu hinterfragen.