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Sie sitzen und warten. Sie liegen und warten. Stehen, gehen und warten doch. Warten auf den baldigen Tod, der sich zwar schleichend ankündigt, aber nach wie vor den Zeitpunkt seines Erscheinens im vagen Ungewissen lässt.
Manche sehnen ihn herbei und können es kaum erwarten, dass er durch die Ritzen der Mauern dringt und von ihnen Besitz ergreift, der Tod. Sie haben das Leben und die Auswirkungen ihrer Krankheiten längst satt, übersatt. Sie wollen nur noch "hinüber" und ihre Ruhe haben, Freunde, Verwandte, Geliebte wieder sehen. Drüben ein schöneres Leben leben, eines ohne Schmerzen, eines mit dem ursprünglichen Gesicht, ohne Krebsgeschwüre, Löchern im Körper und so weiter. Endlich wieder schön sein, so wie früher und weniger alt als jetzt. Schön eben. Endlich wieder frei atmen können, ohne Krebs in der Lunge.
Was war die Gesundheit früher nebensächlich. Heute ist sie nicht mehr da und längst ist sie zum wichtigsten Verlust geworden. Langsam ist sie ausgeschlichen, beinahe unmerklich und plötzlich knickt das gewohne Leben ein und schlingert unendlich hin und her. Schlingert so lange, bis man sich nicht mehr auf den beiden Beinen halten kann und sich in ein Krankenbett legen muss. Dort liegt man nun und wartet unendlich viele Tage bis er kommt, der Tod.
Anfangs isst man noch selbständig, dann bittet man um Hilfe und lässt sich das Essen eingeben. Es bleibt einem mit dieser Krankheit wenig erspart. Wenn es nur schon vorüber wäre, dann bekäme man ganz sicher seine Gesundheit wieder zurück, seine Vitalität, Eleganz, sein Leben - dort drüben. Noch ist diese unendliche Ohnmacht da und das Tor nach drüben unsichtbar. Kommt meine Lieben, kommt und gebt mir die Hand, begleitet mich hinüber und zeigt mir den Weg. Lasst mich nicht mehr länger warten, kommt meine Lieben, kommt doch rasch.
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