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Falscher Rindsbraten E-Mail

pyramide.jpgMein Arbeitskollege ist so eine Art siamesischer Zwilling von mir, denn wir sitzen einander, Schreibtisch an Schreibtisch, täglich nahezu 10 Stunden  gegenüber, verwachsen durch unsere Möbel. Etwas Raum zwischen uns schaffen lediglich ein paar Bücher, ein kleiner, blauer Zimmerbrunnen von Tchibo und ein Buddha aus Holz mit offenen Händen, einem gütigen Blick und etwas Blattgold am Körper.

Wären wir eines Tages gezwungen unser kollegiales Dasein zu beurteilen, es fiele nicht so übel aus, denn jeder von uns hat sich längst an die zahlreichen Macken des anderen gewöhnt und einen richtigen, grundlosen Krach gab es in den vielen Jahren unserer aufdringlich anmutenden Nähe niemals.

Kritik erntet mein liebster Kollege ausschließlich in meinen lästernden Gesprächen mit unserer, das Zimmer teilenden Kollegin. Es ist auch immer das selbe Thema, denn er telefoniert zu laut. Der gute Mann schreit, als hätte er anstelle des Telefonhörers ein vorsintflutliches Megaphon in Händen und müsste allein damit viele Kilometer überbrücken, um seine Gesprächspartner zu erreichen. Ein wenig erinnert mich seine Art zu telefonieren an einen Basar in Istanbul und dessen Verkäufer. Aber mehr gibt es schon nicht mehr zu motzen. Er ist ein spaßiger Geselle und relativ unkompliziert. Außer ich beschneide meine Zimmerpflanzen und verdrecke aus versehen seinen Schreibtisch. Das mag er nicht.

Dieser Tage flog er mit seiner, auch mir bekannten, Freundin nach Ägypten, wo ihr Vater lebt. Was ich wusste, er allerdings nicht, war der Umstand, dass ihr Vater sie schon in früheren Jahren mit ihrem Cousin verheiraten wollte. Wie es eben oft in solchen Ländern üblich ist. Ich meinte zu meinem Kollegen nur, er solle gut auf sich Acht geben, denn mir schwant fürchterliches. Und weiter sponn ich meine Fantasie, ich sähe schon eine Zwangshochzeit mit dem Cousin, mein Kollege sei plötzlich verschollen und am Hochzeitsbankett gäbe es falschen Rindsbraten mit einer Gürtelschnalle in der Mitte, die der seinen zum Verwechseln ähnlich sieht.

Ich hatte allerdings den Eindruck, er nahm mich und meine Ausführungen nicht ganz ernst. Seine anwesende Freundin hingegen nickte mir wissend zu und das sichere Gefühl beschlich mich, sie wusste wovon ich sprach.