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War es ein Wochenende? E-Mail

photocase_de_sisk4_q8kqjfb92.jpgSie zischt vorüber, ich blicke ihr nach und die wenigen verbleibenden Sekunden geben mir den Eindruck eine beeindruckende, ganz und gar nicht willkommene Supernova erlebt zu haben, so rasch passiert sie meinen Horizont.

Die Rede ist von der Zeit, vor allem die wenige, eingeklemmt zwischen den Freitagen und Sonntagen. Nicht auszudenken ich wäre im Einzelhandel gelandet, dann bliebe mir noch weniger davon und ich wüsste nicht wie ich all meine, während der Woche Stück für Stück im Hirn eingetragenen Vorhaben, realisieren sollte.

Es ist nicht lange her und ich bekam von einer älteren, großzügigen Freundin einen Rasierapparat geschenkt, damit ich mir meinen Bart abrasieren möge. Da war ich junge 16 Jahre alt und das was sie Bart nannte, noch nicht einmal der Rede wert. Sie wollte allerdings keinen unrasierten Teenager küssen, denn das erschien ihr offensichtlich wie eine Befleckung des Unbefleckten. So kaufte ich mir einen Altherrenrasierer der Marke Phillishave, in schwarz, und tat wie von ihr verlangt. Es war als hätte ich mit dem kleinen scharzen Ding einen Dammbruch herbeigeführt, ich wurde von meinem weiblichen Vis-a-Vis ein Jahr lang heftig verschlungen.

Kurz davor, und das ist auch nicht lange her, wurde ich von einem etwas älteren Nachbarmädel eingeladen sie in der Nacht am Sportplatz, mitten auf der Wiese zu entjungfern. Erst kürzlich bestaunte ich in Villach junge Mädchen, vielleicht 14 Jahre alt, wie sie selbstbewusst Kondome bei "DM" kauften und sich vor dem Shop mit ihren Freunden trafen. Ich ging damals noch mit einem Zettel auf dem die verklemmte Bitte nach Kondomen stand in die Ortsapotheke und kaufte mir dort die Dinger. "DMs" und wie die Shops alle heißen, die gab es damals in unserem Ort noch nicht. Heute könnte ich die Kondome bei Schlecker klauen und damit das heilige Werk angehen. Erwähnenswert wäre eventuell noch, dass wir beide versagten, das Mädchen und ich. Sie war verkrampft, weil sie als Italienerin ihren Vater im Hirn hatte und der sie vermutlich umbringen würde, wenn er davon wüsste. Ich war verkrampft und verhältnismäßig lustlos, weil wir ans Werk gingen um das Werk zu erfüllen. Mehr war da nicht. Irgendwann mal brachen wir unser Nichttun ab und gingen wieder nachhause. Wie die Spinne "Thekla" von Biene Maja versuchte ich sie noch in mein Zimmer zu locken um dort das Bemühen fortzusetzen. Nachdem ihr Vater nur zwei Stockwerke über uns lag, traute sie sich nicht und blieb lieber Jungfrau. Sie war aus Piacenza und gefiel mir eigentlich nicht. Ihr Bruder Maurizio war viel hübscher, der war allerdings hinter meiner Schwester her. Ich müsste sie bei Gelegenheit fragen ob sie meine Geschichte vom Sportplatz kennt und mit ähnlichem aufzuwarten hätte.

Es ist auch nicht lange her und ich bekam von meiner Großmutter die erste und einzige Ohrfeige weil ich erst bei Dunkelheit nachhause kam und den ganzen lieben Tag mit einem Bauern am Feld unterwegs war. Ich hatte doch unentgeltlich zu arbeiten, wieso werde ich dafür auch noch geschlagen. Handy gab es damals noch nicht. Meine Omi vesicherte mir später mehrmals, dass es ihr in der Sekunde leid tat, aber sie war eben in Sorge um mich. Das erste und letzte Mal, dass mich jemand heftig ohrfeigte, weil er in Sorge um mich war.

Es ist auch nicht sehr lange her und ich wurde als Cowboy verkleidet und in den Kindergarten gebracht. Cowboy war durchaus in Ordnung, aber mich zu verkleiden war mir glaube ich damals schon sehr peinlich. Da fällt mir ein, dass mein Freund im Kindergarten zu Fasching die dort angebotenen Kleidchen viel lieber anzog als alles andere und gerne eine richtige Prinzessin war. Angeblich erzählte es die Kindergärtnerin voller Besorgnis seinen Eltern. Denen war es aber egal. Die glaubten nicht daran, dass er in den Kleidchen stecken bleiben könnte. Tat er auch nicht. Heute, viele Jahre später, da trägt er Jeans und so Zeug und will längst keine Prinzessin mehr sein.

Ich merke gerade, die "es ist noch nicht lange her Geschichte" ließe sich auf immer und ewig fortsetzen. Schauen wir mal ...