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Sternschnuppen E-Mail

aboutpixel_de_phager_das_letzte_bild.jpgManchmal geschehen Dinge, die einen kurzfristig über Gebühr beschäftigten, manche unter uns vielleicht sogar aus der Bahn werfen, drehen wir uns aber nach einer Zeit um und besehen das Geschehnis, bleibt oft nicht viel übrig als ein schaler Geschmack und oft nicht einmal dieser.

Klingt etwas allgemein, aber mir selbst passieren Krisen, diese Woche mehr als vergangene. Menschen begegnen mir, die das Wort "Krise" ganz groß auf ihrer Stirn stehen haben und im Gespräch nach Luft schnappen, wie ein Karpfen am Schlachtbrett. In vielen Gesprächsmomenten spreche ich mit meiner Überzeugung Trost, ganz ohne, einfach nur so wegwischen zu wollen:

"Abwarten und durchtauchen. Es wird sich alles wieder ins Lot bewegen. Was besprochen werden muss, soll besprochen werden und was einfach nur noch abzuwarten ist, gilt stoisch ausgesessen zu werden." Zugegeben, ist nicht jedermanns Taktik und eine von vielen.

Was heute noch eine Krise war, ist morgen oder übermorgen bestenfalls eine dunkelgraue Wolke im Fokus der Vergangenheit. Gibt doch Trost, oder? Was animiert mich dazu diese Zeilen zu schreiben? Einerseits krisengeschüttelte Menschen, die mir täglich begegnen und manchen von ihnen geht es tatsächlich existenziell misserabel. Sie befinden sich, ohne Übertreibung, auf der Kippe zwischen gerade noch Luftschnappen können und dem Untergang. Temporär zumindest möchte ich dazuschreiben, das schreibe ich aus einem Zweckoptimismus heraus, weil ich wie bereits beschrieben, der Ansicht bin, dass es sich lohnt Krisen auszusitzen. Wenn die Krise, wie im vorliegenden Fall, bereits über ein Jahr andauert und selbst versierte Krisenklempner verzagen und das Leck nicht zu stopfen vermögen, dann fällt es mir selbstverständlich schwer meinen Optimismus der Person auf die Stirn zu picken, sie mit einem improvisierten Lächeln und den Worten abzutrösten:

"Wirst sehen, habe nur Geduld, es wird schon wieder."

Das kann ich nicht sagen, denn ich weiß nicht ob und wann es wieder wird und daher bin ich maximal in einem Stadium des aufmerksamen Zuhörens und fern davon "Wirst sehen ..."-Trostsprüche abzulassen. Das bin ich auch nicht und daran glaube ich ab einem bestimmten Zeitpunkt auch nicht mehr.

Also selbst wenn ich glaube, dass Krisen heilen und eines Tages rückblickend im Gedanken der Krise, diese zu kurz aufflammenden Sternschnuppen mutieren, manchmal steht sie starr da, bewegt sich nicht und wird von Tag zu Tag massiver, unüberwindlicher, anmaßender. Wie ein Krebsgeschwulst nistet sie sich im jeweiligen Leben ein und zapft sämtliche Energiekanäle an um noch noch mehr zu nehmen, wovon sie bereits hat - der Lebenslust.

Was kann man als geduldiger Zuhörer einem Menschen empfehlen, der Tausende Stunden ärztlichen Rat hinter sich hat. Dessen Therapiecouch längst bis zur letzten Feder durchgewetzt ist und der irgendwann vor einer knalligen Tür steht auf der in nicht minder knalligen Lettern "EXIT" zu lesen ist. Natürlich sage ich, was jeder an meiner Stelle sagen würde:

"Lass die Tür zu, tu es nicht, bleib da, es lohnt sich nicht."

Noch ist die Tür zu, aber es ist für mich nicht absehbar ob sie nicht geöffnet wird und eine weitere Person verschlingt, die mit vierzig vor einem riesigen Scherbenhaufen steht. Auf jeder einzelnen Scherbe ein Fragment der Vergangenheit, der unaufgelösten Vergangenheit. Nimm sie auf, ordne sie und füge sie zusammen, erkenne die Gesamtheit und hake sie ab, nimm sie an und lass endlich die verdammte Türschnalle los. Nimm Platz und atme tief durch. Komm, lass endlich die Türschnalle los und bleib da!