Gelegentlich hat man das unendliche Glück auf Menschen zu treffen, die auch wirklich was zu sagen haben. Und gelegentlich sagen sie davon so viel, dass man sich aus dem Gespräch vollkommen ausgeschlossen fühlt und es vermutlich nicht auffiele, würde man abwesend sein.
Gestern begegnete ich an der Bus-Haltestelle unserer Betriebsärztin und ich sprach sie an. Zuerst war ich ja gänzlich verblüfft, dass sie mit den Wiener Linien unterwegs ist. Mein Klische von Betriebsärzten beginnt bei Audi und endet bei Audi. Oder so ähnlich. Frau Dr. Betriebsärztin war jedenfalls äußerst gesprächig, aber keinesfalls derart, dass es in einem Monolog mündete. Ich kam auf meine Kosten und wir waren nicht selten einer Meinung. Wann trifft man schon an einer Bus-Haltestelle jemanden dessen Meinung man beinahe uneingeschränkt zu teilen vermag. Selten. Na eben!
Wir waren äußerst beglückt ob unserer Gesprächsintensität. Nun weiß sie, dass ich ehrenamtlich an Sonntagen im Hospiz der Caritas Socialis tätig bin oder das Leben meist lächelnd durch die Brille des Optimismus zu betrachten pflege, was man mir angeblich ansieht, meinte sie.
Ich wiederum weiß, dass um ihr Haus zuweilen Eulen und Fledermäuse fliegen, letztere wohnen am Dachboden ihres Hauses, ich weiß nun auch, dass sie ehemals erfolgreiche Chirurgin war - und noch viel mehr - aber ich bin ja vollkommen diskret und verrate zum Beispiel von den geheimnisvollen Steinen in ihrem Schwimmbiotop nichts.
Unsere Betriebsärztin ist eine erfrischende Person, sehr aufgeweckt, interessiert und vor allem auch groß, denn sie überragt mich um mindestens einen Kopf. So kam es mir zumindest vor. Vielleicht war es auch nur ihre Ausstrahlung, die sie in meinen Augen in alle Unendlichkeit wachsen ließ. Wie ehemals Alice im Wunderland. Nur sie brauchte den Pilz, das weiße Karnickel um in die Anderswelt zu finden, naja und die eingerauchte Raupe um vom zauberhaften Pilz zu erfahren.
|