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Die Köpfe in den Sand E-Mail

photocase_de_rokit_de_bcxjgccc2.jpgIch gebe hier den Ton an und wenn ich möchte, dass wir die Köpfe in den Sand stecken... ich korrigiere, dass Sie die Köpfe in den Sand stecken, dann tun sie das gefälligst auch. Aber nein, das ist nicht auf meinem Mist gewachsen, ganz sicherlich nicht, nur eine Anordnung von oben. Schließlich muss gespart werden und wenn alle ihren Kopf im Sand haben, sparen wir enorm.

Wenn niemand mehr etwas sieht, außer Sand, dann brauchen wir keine Computer, kein Licht, vermutlich nicht mal mehr eine Kantine. Wer dann die Arbeit erledigt wissen wir noch nicht so genau, aber wenn wir uns auf unser Kerngeschäft besinnen, dann holen wir uns einfach ein paar Leiharbeitskräfte und schaffen ihnen die Ergebniserfüllung an. Wenn sie nicht parieren, dann fliegen sie genau so rasch wieder von hier raus wie ich sie geholt habe. Und Sie können sich bequem in den Kübeln zurücklehnen und müssen sich nur noch auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Kann man ihm in diesem Moment widersprechen oder soll man eventuell doch zwischen dem Sand einen gefälligen Nickversuch wagen, um anschließend weiterhin still zu stehen. Überall Sand. In den Ohren, in den nach Atemluft schnaubenden, geweiteten Nasenlöchern. Immerhin hat man uns versprochen, dass der Sand frei von diesen entsetzlichen Sandflöhen ist. Dafür erhalten wir in den kommenden zwei Jahren auch keine Gehaltserhöhung. Schließlich war der Sand teuer genug und die Leiharbeiter sind auch noch zu bezahlen. Wer uns den kaputten Rücken erneuert, darüber muss noch in einer der nächsten Sitzungen gesprochen werden. Sieht ziemlich arschkriecherisch aus die werte Kollegenschaft. Aber offiziell sehe ich ja nichts. Nur wenn ich so zwischen den einzelnen Sandkörnern durchblinzle, was natürlich für ein mit Kontaktlinsen behaftetes Auge ein purer Wahnsinn ist, dann sehe ich lauter Hintern in der Höhe und die Köpfe wie es sich gehört, fein im Sand. Niemand blickt auf. Wie brav. Wie erwartet. Arschkriecher.

Wenigstens sind wir nicht in der Kantine beschäftigt, sonst wäre der entflohte Sand vermutlich Altöl und das wäre wesentlich unangenehmer, weil wir alle der Reihe nach ersticken würden und vermutlich wäre das für unsere Führergarnitur nicht mal strafbar. Waren doch nur mindere Billig-Angestellte. Einmal mit dem Finger geschnippt und die Kübel sind wieder mit neuen, willigen Köpfen befüllt. So geht das. Man muss nur wollen, dann findet man immer wieder Ersatz und den ohne Widerspruch.

Wenn ich es mir so recht überlege, dann konnte ich Urlaub am Strand noch nie auf Dauer ausstehen. Och, in Aktivitäten wälzend ja, aber nicht faul liegend, brutzelnd. Dort wäre es mir nie eingefallen meinen Kopf im Sand zu verstecken. Allerdings wurde ich dafür auch noch nie bezahlt und entfloht war der Sand in der freien Wildbahn auch nie. Hat schon etwas Gutes, wenn man vom Arbeitgeber so sehr verwöhnt wird.