header image
Home arrow Blog arrow Vom Leben am Land und in der Stadt
Vom Leben am Land und in der Stadt E-Mail

schwarzwald_mdel_oli1712_aboutpixel.jpgAls Wochenendpendler zwischen zwei Welten, nämlich der in der Stadt und derselben am Land, begegnen einem immer wieder Menschen hier wie dort, die die jeweils andere Seite mit einer gewissen Verachtung zu ohrfeigen pflegen. In Wien sind es die "Landler" die in der Stadt nicht gebührend Auto fahren können. Am Land sind es die alles besser wissenden Wiener, die sowieso niemand mag.

Neuerdings passiert es mir zum Wochenende immer wieder, dass ich von der angeheirateten Verwandtschaft als "ihr Wiener" bezeichnet werde. Nun ist es tatsächlich so, dass ich zwar seit 1983 in Wien lebe und möglicherweise von jemandem, der es nicht besser weiß daher leichtfertig als ein Wiener bezeichnet werden könnte, schließlich bin ich in dieser Stadt auch gemeldet, aber so wie viele andere auch, möchte ich eher als Nicht-Wiener oder als zugezogener Landler bezeichnet werden, weil ich von der Aversion der anderen Landler gegenüber der Wiener weiß. Für mich persönlich traf ich die kaum verlautbarte Entscheidung als europäischer Kosmopolit bezeichnet werden zu wollen. Der europäischen Sprachen nicht mächtig, aber dem heutigen Europa sehr aufgeschlossen und wäre ich eingeladen, ich würde es jederzeit wohlwollendst bereisen und die Erlebnisse aus den Reisen in diesem Blog veröffentlichen. Somit rufe ich alle Botschaften Europas auf mich freundlichst zu kontaktieren, um mit mir allfällige Reisetermine abzusprechen.

Ich schweife vom Thema ab. Unlängst befand ich mich in Reichenau und wurde wieder als "ihr Wiener" bezeichnet, mit der sofort nachgeschobenen Einschränkung, dass ich ja eigentlich sowieso ganz anders wäre. Die Wiener um die es gerade ging, waren Besucher des Reichenauer Sommertheaters und weil Wiener ja grundsätzlich wie Schafe über die Straße zu gehen pflegen und sich kaum um daherkommende Autos scheren, wurde über diese Unsitte geschimpft und ein bisschen davon auch über mich gekleckert. Dabei gehe ich weder ins Reichenauer Theater, noch vor demselben wie ein ahnungsloses Schaf über die Straße. Was ich der mich als "ihr Wiener" bezeichnenden Person allerdings vollkommen verschwiegen habe, war der Umstand, dass ich in Wien ebenso wie ein Schaf über die Straßen zu trotten pflege, in der Annahme, dass jeder Autofahrer eine selbst herbeigeführte spontane Bremsung einem Unfall vorziehen wolle. Nebenbei bemerkt, versuche ich gerade noch soviel Energien in Reserve zu halten, dass ich jederzeit mich in der Lage befände vor dem potentiellen Aufprall von der Straße zu springen. Böse Menschen in meiner Umgebung, die meinen, dass sie mir wohlgesonnen sind, behaupten allerdings meinen Tod im Alter vorhersagen zu können, indem sie orakeln, ich würde eines Tages in Wien von einem Auto zusammengefahren und dabei elendiglich zugrunde gehen. Da ich vorhabe im Alter nicht in Wien zu leben, schließe ich diese Tötungsart meinerseits vollkommen aus. Ich werde vermutlich friedlich in einem Altersheim am Lande, in den Armen eines bemühten, um mich trauernden Zivildieners entschlummern.

Aber soweit ist es ja noch nicht.

Entsetzt war ich einmal, als ich als gutaussehender Jüngling in Kärnten von Wien Ferien machte und ein Kärntner Mädchen nach einem kurzen Gespräch mit mir lapidar feststellte, dass ich wohl ein Wiener wäre. Ich habe mich ja auch selten als Kärntner gesehen, aber von "Landsleuten" als Wiener bezeichnet zu werden, das tat weh und ließ mich Tage nicht mehr gut schlafen. Also besuchte ich absolut freiwillig einen Kärntner Mundart Kurs um mich etwas einzugewöhnen und fortan nicht mehr als Wiener Eindringling taxiert zu werden. Viele werden sich fragen wieso ich nicht Kärntner Mundart beherrsche, wenn ich doch dort aufgewachsen bin. Aber das hat mit meiner Mutter, meiner Großmutter väterlicherseits und mit meinem Vater zu tun, mit den Vorfahren meiner Mutter und denen meiner Großmutter väterlicherseits. Die kommen nämlich alle nicht aus Kärnten, sondern sind in der Steiermark, in Nord- und in Süddeutschland zu finden, nicht in Kärnten.

Mein Wunsch europäischer Kosmopolit zu sein hat allerdings rein garnichts mit dem ".eu" in der Adresse dieser Homepage zu tun, denn wie ich es bereits öfter erklärte, war ".at" von einem Menschen besetzt der vorgibt so zu heißen wie ich, aber gänzlich anders aussieht. Ich muss ihn demnächst kontaktieren und anregen, ob er sich nicht ein anderes Pseudonym zulegen möchte, er ist mit diesem Äußeren nicht glaubwürdig, denn ich sehe doch ganz anders aus.