header image
Home arrow Blog arrow Die Zuagroasten
Die Zuagroasten E-Mail

altaussee.jpgPaul Lendvai liebt Altaussee und seine wunderbare Gegend. Er schloss das Ausseerland in sein Herz und es lässt ihn nicht mehr los. So beschrieb er es jedenfalls blumig im "Ausseerland - Postillion". Und, dass nicht alles Gold ist was glänzt, ist längst bekannt. Aber was hat das mit Paul Lendvai zu tun?

Nun, Lendvai herzt sein Ausseerland und lässt glauben, es sei alles wunderbar friedlich, freundlich, sonnig. Zufällig hatte ich heute ein interessantes Gespräch mit einem Einheimischen aus Altaussee, ein Gespräch über dies und das, und er meinte, dass der Lendvai ein besonders grantelnder Mensch sei und ihm bald mal was nicht passe. Weiters meinte er, da kommen die Zuagroasten zu uns und dann machen sie sich wichtig und nichts passt ihnen mehr. Dem Paul Lendvai passte die laute Kirchenglocke nicht. Vermutlich würde er sie gern in Watte hüllen lassen um das helle Geläut so zu dämpfen, dass es nicht mehr bis in sein Appartement dringen kann. Gegen die zwei Tage Speedbootrennen protestierte er auch. Letzteres verstehe ich allerdings, denn Speedboote am Altauseersee passen hier ungefähr so gut hin wie Schokoladeeis auf Spagetti. Die Stille des Ortes darf keinesfalls zerstört werden. Flößerwettbewerbe oder ähnlich Stilles würde dafür exzellent passen.

Die paar schwimmenden Kanister im See sind keinesfalls Bootanlegestellen wie ich es dachte, vielmehr sind daran Äste oder kleine Bäume befestigt die den Laich der Barsche dienen. Ist der Laich mal abgelegt, kann der Ast mitsamt dem Gelege entfernt werden. Denn der Barsch kam zufällig in den See und macht sich breiter als es ihm erlaubt ist. So kamen wir gleich auf "Darwins Nightmare" und den Viktoriasee mit seinen Barschen und vom Viktoriasee zum Pangrasiusfilet aus dem Vietnam. Der Einheimische war ein angenehmer Gesprächspartner und äußerst flexibel. Wir hatten was die Weltökonomie anbelangt so ziemlich die selben Ansichten und einigten uns nickend.

Was Touristen dazu veranasst hier in Dirndln und Lederhosen zu schlüpfen und einheimischer zu tun als die Einheimischen, das weiß kein Mensch. Es ist aber so.

Heute habe ich mit der rechten Hand tief hineingefasst und die frische der Natur ganz deutlich gespürt. Die ertragreiche Quelle kam unmittelbar vor mir aus dem Boden. "Im Sommer sprudelt hier nichts mehr!" wusste der Einheimische zu erzählen und klärte mich auf, dass es sich um das Nass der Schneeschmelze vom Berg oben handle.

Tiefgreifende Erholung im Zeitraffer, die schöpft man in Altaussee in vollen Zügen.