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Entdeckte Sternenkinder E-Mail

martinbuber__photocase.jpgSogar die Medien berichteten darüber, in den vergangenen Tagen stand uns die Venus, der Abendstern, besonders nah. Generell ist die Venus nach Sonne und Mond der hellste Planet am Himmel, in den vergangenen Tagen war sie noch viel heller als sonst. Sie leuchtet bereits knapp vor Sonnenuntergang im Westen des Himmels und einige Monate später begrüßt sie als Morgenstern im Osten des Himmels, bereits Stunden vor dem Sonnenaufgang den Tag.

Vor vielen Jahren erzählte mir ein älterer Herr, den ich inmitten seiner Schafherde traf, so einiges über die Sterne und seit diesem Gespräch weiß ich, wie diese in den Himmel kommen und weshalb sie immer wieder blinken, als würde sich eine kleine Kerze in jedem einzelnen von ihnen befinden. Der alte Schäfer, hatte einen weiten, ungepflegten Schlapphut auf, ein rot-schwarz-karriertes Hemd mit weißen Knöpfen und eine dunkelbraune Cordhose an. Er war unrasiert und hatte halblanges, schlohweißes Haar. Wenn er lachte, kamen dunkelgelbe, unregelmäßig gewachsene Zähne zum Vorschein. Selbige gelben Zähne hielten mehrmals täglich seine qualmende Pfeife fest, mit der er genüsslich vor sich hinpaffte.

"Du weißt sicherlich nichts über die Sterne oder?"

Der Schäfer sah mich belustigt an und erwartete sich offensichtlich eine Antwort, die ich ihm verwehrte und anstelle dessen ratlos mit den Achseln zuckte.

"Das dachte ich mir." schob er nach und lächelte noch breiter, sodaß die Pfeife zu Boden fallen drohte.

"Ich will dir einmal etwas erzählen. Aber behalte es für dich, denn es wird dir sowieso niemand glauben. Auf der Erde leben zahlreiche Sternenkinder und sie sind nur dazu da um sich jede Nacht um die abertausenden Sterne zu kümmern. Mit ihren magischen Händen ziehen sie jeden einzelnen Stern an, fangen ihn auf und spielen zuerst ein Weilchen damit. Ein wenig später machen sie sich daran den Stern mit einem weichen, weißen Tuch zu polieren. Wenn er dann wieder so richtig glänzt, beginnt er wie verrückt zu leuchten und das Sternenkind schickt seinen Stern wieder hoch in den nächtlichen Himmel. Und so geht es die ganze Nacht, denn Sternenkinder schlafen am Tag auf den Wolken und spielen in der Nacht mit ihren Sternen."

Der Schäfer sah mich an und kaute gedankenverloren am Mundstück seiner Pfeife.

"Ich wusste auch lange nichts von den Sternenkindern, bis ich sie eines Tages endeckte. Ich konnte nicht schlafen, weil einige meiner Schafe verschwunden waren, insgeheim wartete ich wohl, dass sie wieder von allein zurück kamen. Dabei nickte ich zwar immer wieder ein, aber mehr war da nicht. Bis ich plötzlich so etwas weißes kleines auf die Herde zurennen sah und unweigerlich dachte ich an eines der verschollenen Schafe. Ich blieb still um es nicht zu verjagen und blinzelte vorsichtig in die Richtung aus der es kam. Bis ich eben erkannte, dass es ein Kind in einem weißen Kittelchen war. Es stand in unmittelbarer Nähe der Herde und war so still, dass nicht einmal die Hunde Notiz von ihm nahmen. Ja und dann begann es einen Stern nach dem anderen vom Himmel zu holen, mit ihm zu spielen, ihn wieder zu polieren und zurückzuschicken."

Der alte Herr nahm seinen Hut ab, legte ihn neben sich in die Wiese und fuhr sich mit der linken Hand durch das Haar.

"Seit dieser Nacht versuche ich immer wieder in lauen Sommernächten aufzuwachen um den Sternenkindern bei ihrem Spiel zuzusehen. Aber wie ich schon sagte, erzähle es nicht weiter, es wird dir sowieso niemand Glauben schenken."