header image
Home arrow Blog arrow Zweiter Besuch
Zweiter Besuch E-Mail

photocase_de_time2share_2zv8mrcn2.jpgEs soll Filme geben die kann man sich zweimal, dreimal und noch öfter ansehen ohne, dass der Inhalt wesentlich leidet oder man sich an ihnen satt sieht. Bei einer zweiten Visitation auf der Besuchergalerie des Parlaments sieht die Sache schon ganz anders aus. Und wieder fällt mir der angelesene Spruch ein: "Ich könnte gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen wollte."

Klar, der Eingang ist einem vertraut, die Stiegen hinauf in den Xten Stock ebenso und wie angenehm, die Horden an Schulklassen bleiben diesmal offensichtlich aus. Die Wahl des Präsidiums des Nationalrates ist offensichtlich unter Schulen kein großer Hype. Zurecht, denn es werden drei mal einzelnd 183 Abgeordnete aufgerufen ihre Stimme abzugeben, dazwischen wird immer gezählt und dann, feierlich von der Glocke des Nationalrates eingeläutet, das Wahlergebnis verkündet. Prammer, ein vorhersehbares Wahlergebnis, Spindlegger, ebenso. Beim dritten Präsidenten ist das Ergebnis offen. Wird es Graf oder Van der Bellen? Als politisch orientierter Zuseher tippt man wohl eher auf letzteren, so man kein Strache-Wähler ist.

Die Stimmen werden abgegeben, die Auszählung beginnt. Der Nationalratspräsident ruft die Clubobleute zusammen um zu demonstrieren, hier ist nichts gefälscht, die Karten sind alle ordnungsgemäß ausgefüllt und wider der Behauptung der Grünen auch nicht markiert. Das Wahlergebnis macht Graf zum dritten Nationalratspräsident, der Zusehergalerie bleibt vor Staunen der Mund offen, eine Studentengruppe skandiert mit T-Shirts auf denen das Wort "PFUI" zu lesen ist lautstark gegen die Wahl. Innerhalb von wenigen Sekunden werden sie von den Bediensteten zur Türe begleitet, nein gezerrt.

Die Grünen packen unten im Plenum eine große Tafel aus "Sie haben aus der Geschichte nichts gelernt!" steht darauf in großen schwarzen Lettern zu lesen. Das denke ich mir auch. Die Mehrzahl der Menschheit hat aus der Geschichte nichts gelernt, sonst gäbe es solche Wahlausgänge oder Burschenschaften wie Olympia nicht.

Gleichzeitig bewundere ich die jungen StudentInnen die auf die Hausordnung pfeifen und laut gegen die Wahl skandieren. Das hätte ich auch tun können, aber dann hätte ich wohl gegen die Hausordnung verstoßen und sowas macht man in meinem Alter nicht mehr, dafür sind schließlich die Studenten da. Wir unterstützen lieber indirekt.