|
Im Kleiderkasten unterwegs |
|
Geht es weiter hinaus, bedienen sich die Wiener Linien liebend gern anderer Unternehmen, um den Transport von Fahrgästen zu gewährleisten. Eines davon sind die Wiener Lokalbahnen, im Volksmund ist das Schienenteil davon auch liebenswürdig "Badener Bahn" genannt, nachdem es aber auch Busse gibt, ist die Bezeichnung "Badener Bahn" nicht immer anzuwenden. Um so einen Bus, für abenteuerliche Fahrten von A nach B, geht es.
Der 16A ist so ein "Wald und Wiesen-Bus" einmal zu früh, einmal zu spät und wenn er mal da ist, hängt es ganz vom Temperament des Fahrers ab, wie sich die Fahrt gestaltet. Es soll ja schon Fahrgäste gegeben haben die sich beim Fahrer über den auffällig rüden Fahrstil beschwerten. - Zu Recht. Einige zeigen ihren Transportteilen "Wo der Bartl den Most holt." und fahren als ginge es nur darum, aufgestaute Aggressionen von irgendwo wieder abzuarbeiten. Und wenn man nicht rasch genug an seiner Haltestelle aussteigt, kann es durchaus passieren, dass man eine Station später nochmals den Hauch einer Möglichkeit hat. - Was wie an den Haaren herangezogen klingt, ist die gelegentliche Realität des 16A.
Vor einigen Tagen kamen die Fahrgäste wieder einmal in den Genuss des luxuriösen IKEA-Busses. Er zeichnet sich darin aus, dass einem der Blick nach außen vollkommen verwehrt bleibt. Von außen sieht der Bus aus wie ein fahrender Kleiderkasten, üppig mit riesigen Textilien bestückt. Er ist rundherum mit Werbung beklebt und von innen ist das ganze so undurchlässig, dass einem nichts anderes mehr übrig bleibt, als Mitreisende erquicklich zu beobachten und davon gibt es meist genug.
Unlängst hörte ich zwei Jungs in ihrem Gespräch zu. Sie waren geschätzte 15 und halbwegs cool. Der stärkere von beiden erzählte, dass er selten in der Früh zu einem Frühstück käme und es meist bei einer Zigarette und einem Getränk belässt. Der andere frühstückte wenigstens, schien aber auch schon zu rauchen. Als wir uns in diesem Alter befanden, rauchten wir zwar auch, aber vollkommen heimlich und wir hätten es niemals gewagt, in der Öffentlichkeit vor lauschenden Erwachsenen darüber zu sprechen. Aber das waren andere Zeiten, wir waren anders gekleidet und in dem Alter noch immer richtige Kinder, kein Vergleich zu heute, denn während das Selbstbewusstsein der Jugendlichen überproportional mit den Kalenderjahren seit unserer Jugend angestiegen sein muss, hatten wir nichts von alledem. Ein "Huh" hätte gereicht, um uns vor Schreck zum Schweigen zu bringen. Oder so ähnlich. Mal sehen wie sich diese Jugend noch entwickelt. Gelegentlich sehe ich sie keulenschwingend vor meinem geistigen Auge, ganz so, wie damals in der Steinzeit. Aber wir wollen doch nicht die Jugend an die Wand malen.
Themenwechsel. Kürzlich gab es in der U-Bahn einen jüngeren, pummeligen Asiaten der seine Ohren musikhörend verstöpselt hatte und sich total dabei verlor. Er begann gut hörbar mitzusingen. Es hörte sich ehrlich gesagt erbärmlich an und nicht mal bemüht. So ähnlich wie man eben für sich im Bad singen würde. Unangestrengt, falsch und schrecklich eben. Die meisten amüsierten sich darüber. Ein Mann gegen 55 mit einer zusammengerollten Gratis-Zeitung in der rechten Hand, tippte mit dieser gegen die Stirn und meinte kurz vor dem Aussteigen laut vernehmlich:
"Bist deppert, dass Du in der U-Bahn singen musst?"
schüttelte verächtlich den Kopf und verließ lässig die U-Bahn. Wie er es sagte, klang wesentlich unfreundlicher als ich es hier in der Lage bin wiederzugeben. Ich dachte mir nur, dass der singende Asiate netter sei als dieser sich über ihn erhebende Mann. Der Asiate stieg mit mir an der selben Haltestelle aus und zu meiner großen Beruhigung sang er weiter und ließ sich durch den erfolgten Angriff nicht aus der Ruhe bringen.
|