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Das hat er sich nicht verdient E-Mail

photocase_de_zettberlin_4fvg7rtu2.jpgEs heißt ja, wenn es am Tag einer Beerdingung regnet, dann ist der Mensch nicht gern gegangen und er hätte durchaus noch ein paar Jährchen darauf gelegt. Scheint hingegen die Sonne am blitzblauen Himmel, dann atmet er ob seines Todes auf und verließ diesen Ort mit Wonne.

Bei Helmut Zilk stimmt es mit Sicherheit überein, denn niemals hätte er seine Dagi allein lassen wollen, geplant war immer ein gemeinsamer Tod, wenn gleich biologisch nahezu unmöglich. Der Himmel ist grau in grau, wie die Stimmung des Verstorbenen, nun poltert er in der Anderswelt und schimpft auf den Petrus ein, dass er sich zur Beerdingung schon Sonnenschein für seine lieben Wienerinnen und Wiener verdient hätte. Man kann schließlich die Leute nicht bei dem Wetter am Zentralfriedhof frieren lassen. Petrus entgegnet, dass es ohnehin nicht kalt sei, Zilk grantelt, dafür sei es nass und unfreundlich und wenn jemand hier über das Wetter zu bestimmen habe, dann sei es eindeutig er, noch dazu wo es um sein "Fest" ginge, er, Petrus, solle doch schleunigst den Regler zur Sonne etwas höher stellen. Nix da, deutet dieser ihm und klopft dem grantelnden Zilk couragiert auf seine Finger, die unnachgibig am Sonnenregler zupfen.

Nun blickte er noch ein Weilchen hinunter, musste bei der einen oder anderen Trauerrede wahrlich schmunzeln, warf Kusshändchen zum Laudator und als ihm das ganze zu lange wurde, wandte er sich vom Geschehen ab und dem wartenden Publikum hinter ihm zu.

"Liebe Freunde! Ich danke Euch, dass Ihr heute hier versammelt seid und mir die Möglichkeit gebt Euch im Kollektiv zu begrüßen. Es ist mir eine besondere Freude zahlreiche bekannte Gesichter aus meiner Vergangenheit wieder zu sehen. Mir ist es eine besondere Freude mit euch nachher noch auf ein Glaserl zusammen zu sitzen. Lasst mich vorweg aber noch folgendes sagen ..." Die Rede dauert geschlagene eineinhalb Stunden und erst als Bruno Kreisky am einnicken war, wurde ihm bewusst, dass auch hier lange Reden verpönt sind. Es hat sich also kaum etwas geädert. Fredl deutet ihm mit seinem Stock er solle doch endlich zum Abschluss kommen. Dabei heißt es doch immer drüben könne man sich aussuchen in welchem Alter man weiter täte, Fred Sinowatz ist hier wie dort, gebückt, schmächtig, und am Stock. Während der andere Fred, der Dallinger in den reschesten 30ern im Publikum sitzt und aufmerksam, etwas lächelnd, die Zilksche Rede verfolgt.

"Aber eines sag ich Euch gleich vorweg" wird Helmut Zilk beim späteren Umtrunk anmerken, "ewig habe ich nicht Zeit, ich möchte heute Nacht noch unbedingt in der Naglergasse vorbeischauen und meiner Dagi etwas Beistand leisten. Sie erwartet, dass ich komme und da kann ich sie nicht hängen lassen. Aber wenns wollts, könnts ja mitkommen und wir feiern dort noch ein bissl. Die Dagi wird schon nichts dagegen haben, schließlich mag sie Euch ja auch alle und zum Trinken haben wir genug zhaus."