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Schwimmen im Angelibad E-Mail

hellhunter2k_aboutpixel.jpgMöchte man etwas tiefer in die Wiener Seele eintauchen, fährt man am besten ins Angelibad. Es wurde mir von einem Kollegen in der Arbeit als sehr familienfreundlich beschrieben, woraus ich schloss, dass man dort außer Erwachsene und deren Kinder so gut wie niemanden antreffen würde. Was durchaus als Vorteil gewertet werden darf.

Also fuhren wir hin und nach einer kleinen Suche und zwei Erkundigungen fanden wir das Bad. Während die ersten beiden Auskunftspersonen, direkt an der U-Bahn-Station, sehr konkret den Weg dorthin beschreiben konnten, wusste der durchtrainierte, tätowierte Mann mit dem Begriff "Angelibad" nichts anzufangen. Da befanden wir uns bereits auf halber Wegstrecke.

Ach, sowas gibt es nur in Wien. Einen eigenen Strandbadabschnitt an der Alten Donau, ausschließlich für Hunde und deren Besitzer, fein eingezäunt und zum frei Herumlaufen. Nicht übel, links die Hunde und etwas weiter rechts davon die Familien.

Vor dem Angelibad angelangt blicken wir noch weiter nach rechts und sehen einen Strandabschnitt frei von jeder Eintrittsgebühr. Wie ich wesentlich später erfahre, nennt man diesen Abschnitt Dragonerhäufel. Wir betreten das Angelibad und ich renne schnurgerade an der Kasse vorbei, weil ich sie nicht sah und gehe zur vermeintlichen Kasse, die sich etwas später als Schlüsselausgabe entpuppt. Ich wurde kurzfristig durch meine Begleitung auf die Kasse aufmerksam gemacht, dahinter saß eine garnicht übel aussehende Blondine mittleren Alters, die mich ungefähr so ansah wie vor einem halben Jahr die Ärztin meiner betrieblichen Gesundenuntersuchung. Ich entschuldigte mich höflich und meinte ich hätte die Kasse übersehen und, dass wir zwei Erwachsene wären. Das Spiel von Peuerbach hätte ich mich hier nie getraut, dazu war mir ihr Blick zu resolut. In Peuerbach erfreute ich mich daran, immer einen Eintritt für ein Kind und einen Erwachsenen zu verlangen, wohlwissen, dass zwei Erwachsene vor der Kasse standen. Die Freuden meines kreativen Alltags und des Bademeisters, der meist auch Kassenmann war, dem hat der Witz nämlich auch gefallen. Im Angelibad hätte ich mich wie schon erwähnt nie zu solch einem Witzchen hinreißen lassen. Dazu sah mich die Ärztin viel zu resolut an.

Da ich nur über mangelnde Wiener Mundartkenntnisse verfüge, gebe ich alles in "Hochdeutsch" wieder, außer den Beginn, das schaffe ich gerade noch.

Sie: "I sog erna wos ....  ich lasse Sie ausnahmsweise so durch, holen Sie sich dort drüben eine Zählkarte und Sie zahlen nichts weil es schon so spät ist. Sie haben ja nur noch eine Dreiviertelstunde Zeit, aber wenn es läutet, müssen Sie zusammenpacken und auch gehen.

Ich versuchte mich noch kurz zu rechtfertigen, dass es deshalb so spät wäre, weil ich jetzt erst aus dem entgegengesetzten Wien von der Arbeit käme. Da mir die geschätzten 45 Minuten an und für sich viel zu kurz waren, erkundigte ich mich bei der Kassenfrau, was es denn mit dem Strandabschnitt neben dem Bad auf sich hätte und ob wir dorthin gehen sollten. Sie lächelte mich daraufhin milde an und meinte: "Gengans amoi in unser Bad und dann werden Sie schon sehen was ein schöner Strand ist. Kein Vergleich mit dem da drüben. " Sie zeigt verächtlich in Richtung des kostenlosen Strandabschnitts.

Zählkarte bekamen wir von der Schlüsselfrau keine und sie forderte uns auf einfach durchzugehen. Und nachdem sich ab den Schlüsseln mindestens 3 Gänge aufmachten, erkundigte ich mich vorsichtshalber nach dem richtigen Weg. Wir hatten viel zuwenig Zeit um uns zu verirren. Ich meinte noch wir bräuchten ein Kästchen um unsere Wertsachen sicher zu verstauen, nachdem die Schlüsselfrau keinen Schlüssel mehr hergeben wollte meinte sie, wir sollen uns einfach in die Nähe des Bademeisters legen und da würde schon nichts wegkommen. - Das taten wir dann auch.

Im Vergleich zu den Bademeistern sprach die Ärztin an der Kasse übrigens beinahe Schönbrunner Deutsch. Es war mir ein großes Vergnügen die sonnengegerbten Männer in ihren Gesprächen zu belauschen. Rund 45 Minuten später hätten wir Leute vom Land vermutet, es würde irgendwo brennen und in wenigen Minuten käme wohl die Freiwillige Feuerwehr um die Kurve gefahren. In Wahrheit gehörte die widerliche und nicht minder aufdringliche Sirene zum Etablissement und sollte dem Volk den Badeschluss signalisieren, es möge sich erheben und wieder nachhause gehen. Die Bademeister taten es etwas bademeisterlicher, trällerten mit ihren Pfeifen um die Wette und deuteten nachdrücklichst mit ihren Armen, man möge aus dem Wasser kommen.

Da am Weg aus dem Bad noch immer einige Personen auf ihren Handtüchern in der Abendsonne ruhten, gehe ich davon aus, dass entgegen meiner Erwartungen das städtische Personal keinesfalls mit der Reitgerte in der Hand durch das Bad fegt um zu langsame Besucher etwas anzutreiben.