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Wie angepisst darf man sein, wenn man im Textilhandel beschäftigt ist und weiß, dass es Menschen im Lande gibt, die wesentlich besser verdienen? Ist es überhaupt eine ausschließliche Frage des Verdienstes, ob man gut oder schlecht drauf ist und Kunden freundlich oder verachtend bedient?
Wenn man in einem H & M, also bei Hennes und Mauritz einkauft, muss man dann automatisch davon ausgehen, dass man ausnahmslos schlechtes, weil unfreundliches oder unwilliges Personal vorfindet? Grundsätzlich natürlich nicht und die Vergangenheit zeigt klar und deutlich auf, dass auch bei H & M sehr motiviertes, freundliches Personal zu finden wäre, wenngleich es immer dünner wird und offensichtlich das Coole und Böse Einkehr hält. Jetzt gehe ich beinahe ausschließlich nur noch am noblen Graben zum noblen H & M, um mir dort einen Teil meiner Wäsche zu kaufen. Und selbst dort wurde ich heute keines Blickes gewürdigt und ich war der, der zuerst grüßen musste um dann knapp und kaum hörbar zurückgegrüßt zu werden. So fühlt man sich als Mensch zweiter Klasse und als degradierter Kunde Unterklasse.
Ich wäre nicht Ich, würde ich nicht nach meiner Rückkehr aus dem Untergeschoss im Erdgeschoss nach der Filialleitung verlangen. Und ich wollte keine dieser vielen Entschuldigungen ich wollte nur, dass man dem Mann ausrichten ließe, er möge doch in Hinkunft von sich aus Kunden grüßen und vielleicht im Verlauf des Grußes oder des üblichen Kassiervorganges Blickkontakt aufnehmen. Als wäre das nicht selbstverständlich. Aber wir wissen natürlich nicht über den biografischen Hintergrund dieses Personalstandes und dürfen daher keinesfalls einfach so aburteilen.
Eine Straße weiter im nächsten H & M selbiges, diesmal nicht mit mir als Kunden, sondern einer Frau die ein zurückgelegtes Teil abholt. Sie teilt ihr Begehr dem Mann an der Kasse mit, er blickt sie angewidert an als würde er sich im selben Moment "Schlampe, dreckige Schlampe" denken, dreht sich ohne einen Mucks zu sagen oder zu gestikulieren um und holt wortlos das Teil aus dem Schrank hinter ihm. Und so wortlos geht es natürlich weiter, bis sie ihn etwas frägt, dann musste er antworten und sein Spiel verlassen.
In einem Mail an Claudia Oszwald, der General Managerin Hennes und Mauritz Österreich, regte ich natürlich in diplomatischen Worten an, doch wieder etwas mehr Augenmerk in die Entwicklung des Personals zu investieren und es in Motivation und positiven Kundenbegegnungen zu sensibilisieren. Mal sehen was Frau Oszwald antwortet.
Freundlichkeit hängt doch nicht automatisch mit dem Verdienst zusammen. Dies erfuhr ich maximal 20 Minuten nach H & M, im Hotel Imperial. Dort war ich mit dem Chefkoch zu einem Kaffee verabredet. Ich stelle mich an der Rezeption vor und bitte den Rezeptionisten, Herrn Kröpfl zu verständigen, dass ich da sei. Daraufhin ziehe ich mich etwas zurück und warte, warte, warte. Nach 15 Minuten gehe ich nochmals zur Rezeption und hinterfrage, ob er denn nicht verständigt wurde. Der Rezeptionist sieht mich nahezu vorwurfsvoll an und meinte, er wäre noch nicht dazu gekommen ihn anzurufen. Daraufhin meinte ich würde das von meinem Handy aus machen, er müsse sich nicht weiter bemühen. Der Mann war ein Profi im Fach der Arroganz und Unfreundlichkeit, denn eine Entschuldigung darf man sich in so einem Haus erwarten, oder eventuell ein Eingeständnis, man hätte auf den Anruf vergessen.
Der Direktor des Hauses, dessen Nummer ich zufällig in meinem Handy eingespeichert hatte, meinte er würde mit ihm darüber sprechen und er fände das natürlich auch nicht in Ordnung.
Als vorbildlicher Buddhist habe ich heute somit mein Karma etwas belastet, denn ich hätte ja auch jeweils gütig lächeln können.
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