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Es gibt wenige Dinge aus der Heimat die einem selbst im fernen Ausland das Herz höher schlagen lassen. Die köstlichen Mannerschnitten, mit dem Stephansdom als Symbol auf der Packung, gehören wohl dazu. Und ausnahmsweise gibt es keine Geschichte von mir sondern von Sepp Schreiner, der sie mir heute per Mail zukommen ließ.
Ein österreichischer Top-Hotelmanager, knapp über 50, ist
seit 30 Jahren weltweit auf Achse. Er war bereits Hoteldirektor in zahlreichen Traumhotels rund um
den Globus. Mit der Erfahrung und den anspruchsvollen Jobs entwickelt man
natürlich über die Jahre ein ordentliches Quantum an Menschenkenntnis, bzw. man weiß wie mit den Zeitgenossen in jeweiligen
Situationen umgegangen werden soll. Besagter Mann, Hotelmanager im
aisatischen Raum, hat in Singapur sein Flugzeug zu wechseln. Er steigt aus
einer Maschine aus, im Wartebereich des Airports die üblichen Shops,
plötzlich ein bekanntes, in seinen Ganglien eingebranntes Logo, ein vertrauter
Schriftzug auf einer rosafarbenen Blechdose im Retrolook:
Mannerschnitten.
Der Automatismus
im Kopf beginnt darauf los zu rattern: Österreich, Wien, Vertrautheit, Kindheit der 60er Jahre, die
Eltern, Geschwister, die gute Küche, heimeliges Zuhause, unerschütterlicher Erinnerungsoptimismus macht sich breit, die
gute alte Zeit, Heimat ...
Er kauft die Schnitten, deponiert diese einstweilen in der Seitentasche seines Koffers, und freut sich auf die vertraute Nascherei während des Wartens auf den Anschlussflieger.
Stress,
er ist müde, viele Leute im Wartebereich, endlich ergattert er einen Sitzplatz. Seine
Zeitung, die er in der Zwischenzeit lesen möchte mit dabei. Schnell ist sie oberflächlich überflogen. Jetzt die Mannerschnitten.
Neben ihm ein dunkelhaariger Typ, dicklich, ungepflegtes, fettiges Haar,
übel transpirierend. Zwischen den beiden die Dose Mannerschnitten. Man
staune: Der Typ neben ihm nimmt sich, ohne zu fragen, eine Schnitte aus der bereits geöffneten Dose und
isst sie. Unglaublich, denkt sich der Hotelmanager. Der Vorgang wiederholt sich etliche Male. Was tun? Ihn zur Rede
stellen, um womöglich eine unnötige Schreierei mit einem dreisten Spinner
anzuzetteln? Der Hoteldirektor entscheidet sich für die ihm am vernünftigsten erscheinende Variante, nämlich Ruhe und
Fassung zu bewahren - in einer knappen Stunde geht ohnehin der erwartete
Anschlussflug.
Beide essen still vor sich hin ...
Das
letzte Stück Schnitte in der Dose. Der unsympathische Zeitgenosse
nimmt dieses heraus, bricht es plump in der Mitte durch und gibt die eine Hälfte davon dem
verdutzten Hotelmanager.
Die
Flugnummer des Managers wird aufgerufen. Ohne große Verabschiedung von
dem unverschämten Menschen, eilt der müde Manager zu seinem Gate. Hektik, Stress - wo ist das Ticket? Ach ja, in der Seitentasche seines rollenden Koffers. Er öffnet
den Zipp und findet darin: Eine original verschlossene Dose Mannerschnitten, so wie er sie vor 1 1/2 Stunden im Shop gekauft und in der Seitentasche verstaut hat ...
So hat er, ohne es zu bemerken, die ganze Zeit von den Schnitten seines Nachbarn gegessen, der sein letztes Stück auch noch mit ihm geteilt hat.
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